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ZukunftsAtelier:
Kunst als Sprachrohr für die Anliegen junger Menschen

Im Zukunftsatelier haben Schüler*innen die Möglichkeit, sich und ihren Blick auf die Welt mit den Mitteln der Kunst auszudrücken.
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Interview: Gerda Stauner

DASMAXIMUM, ein Museum für aktuelle Kunst in Traunreut, arbeitet seit Jahren über unterschiedliche Projekte mit Schulen zusammen, um Kinder und Jugendliche für die Wirkkraft von Kunst zu sensibilisieren. Mit dem jüngsten Projekt „ZukunftsAtelier“ haben sie 2022 fünf Schulklassen eingeladen, sich mit Joseph Beuys‘ Idee der sozialen Plastik zu beschäftigen. Mit dem Pflanzen von 7.000 Eichen und je einer dazugehörigen Basalstelle wollte der Künstler bereits 1982 einen gesellschaftlichen Wandel anstoßen und die Welt zum Positiven verändern.

Jede der fünf teilnehmenden Schulklassen wurde im „ZukunftsAtelier“ dazu angeregt, aus dem konsumierenden, passiven Betrachten von Kunst herauszukommen und selbst aktiv zu gestalten. José Hazañas, Vorsitzender des Freundes- und Förderkreises DASMAXIMUM, berichtet, wie das Projekt angekommen ist und ob es 2023 eine Fortsetzung gibt.

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Herr Hazañas, wie lief das ZukunftsAtelier ab? Wie setzten die Kinder und Jugendlichen die Aufgabe um?

Das ZukunftsAtelier ist in zwei Module aufgeteilt, von denen das erste im Museum und das zweite in der Schule stattfindet. Im ersten Modul lernen die Schüler*innen Joseph Beuys und seine Idee der Sozialen Plastik am Beispiel von Beuys „7.000 Eichen“ und den „Eichenpflanzungen zu Ehren von Joseph Beuys“ kennen, von denen sich einige am und um das Museumsgelände befinden. Daraus entwickelte sich der Aufruf, eine eigene Idee für eine Soziale Plastik zu entwickeln.

Die mentale Gesundheit von Jugendlichen stand an erster Stelle.

Die Teilnehmer*innen machen dann zu den beiden Themenbereichen ein Brainstorming. Die unterschiedlichen Ideen werden anschließend auf zwei Pinboards geschrieben. Da kann alles dabei sein: von der Lagerfeuerstelle im Dorf als Treffpunkt für Jugendliche über kostenlose Menstruationsprodukte an der Schule bis hin zur Müllsammelaktion. Was uns überrascht hat, war, dass von fünf Klassen im ersten Durchgang drei die mentale Gesundheit von Jugendlichen zum Thema machten, eine die Zukunft des eigenen Lebensraums und noch eine die Massentierhaltung. Mit dem Thema und der Idee für eine Soziale Plastik endet das erste Modul.

 

Wirkungsvoll Zeichen setzen

Im zweiten Modul an der Schule geht es dann an die gestalterische Umsetzung der Idee. Wie Baum und Basalt ein Zeichen für Joseph Beuy’s Soziale Plastik waren, sollen auch die Jugendlichen ein Zeichen für ihre finden. Das „Wie“ ist dabei sehr offen und bedarf einiges an Improvisationsvermögen durch Kunstpädagogin und Lehrkräfte. In dieser Phase entstanden zum Beispiel ganz klassisch kreisförmige Plakate und Buttons, aber auch ein Videoclip und ein gesprochener Soundtrack.

Nach den Sommerferien stellten die Schülerinnen und Schüler ihre Soziale Plastik dann bei einer öffentlichen Präsentation auf der Bühne vor. Zu dem Zeitpunkt lief gerade auch die überregional organisierte Aktionswoche der Seelischen Gesundheit. Eine Auswahl an Plakatmotiven und Videostills aus dem Clip wurden zu Postkarten, auf deren Rückseite die Telefonnummer der Telefonseelsorge steht. Es war ein richtiger Erfolg, dass die Arbeit der Schüler*innen gleich direkt genutzt und umgesetzt werden konnte.

 

Wenn ich es richtig verstehe, bewirkt das ZukunftsAtelier zweierlei: Die Teilnehmer*innen suchen mit kreativen Mitteln Antworten auf drängende Fragen und spüren gleichzeitig, dass sie selbst etwas bewirken …

Ich glaube, die Kinder sind sehr stolz darauf, was sie geleistet haben und können etwas herzeigen. Es ist etwas Besonderes, wenn etwa Schüler*innen der Mittelschule Traunreut auf der großen Bühne des Veranstaltungszentrums stehen und ihre Vision einer besseren Zukunft vorstellen. Viele waren wirklich mit großem Engagement dabei – und das alles neben dem großen Druck und den Anforderungen, die auf den Schüler*innen ohnehin lastet. Eine Schülerin des Chiemgau Gymnasiums Traunstein hielt auf der Bühne eine flammende Rede, die mich fast an Fridays for Future erinnerte.

  

Herr Hazañas, wie unterstützt der Freundes- und Förderkreis des Museums diese Idee?

Wir unterstützen mithilfe weiterer Sponsoren Jugendprojekte und die Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Wie bereits bei vorangegangenen Projekten waren wir Initiator und halfen bei der Suche von Sponsoren.

 

"Mir ist es wichtig, dass Kinder lernen, dass vieles möglich ist ... Träume! Kämpfe dafür und lebe deinen Traum!"

Wieso ist es Ihnen wichtig, Kinder und Jugendliche für den Umgang mit Kunst zu sensibilisieren?

Für mich ist Kunst Bindeglied wie Spiegel der Gesellschaft. Durch den Umgang mit Kunst lernen Kinder Offenheit gegenüber Neuem und sie lernen, Gegebenes oder Selbstverständliches zu hinterfragen. Kinder können erleben, dass es unterschiedliche Sichtweisen auf die gleichen Dinge gibt und wir dabei nicht von richtig oder falsch sprechen dürfen. Dies ist auch an einem Ort wie Traunreut mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Erfahrungen unglaublich wichtig.

Als Arbeiterkind ist es mir ein Anliegen, dass Kinder lernen, dass vieles möglich ist. Dass sie auch scheinbar unglaubliche Ziele erreichen können, selbst wenn das Umfeld das für unmöglich erachtet. Meine Mutter sagte zu mir: „Träum nicht!“ Heute sage ich: „Träume! Kämpfe dafür und lebe deinen Traum!“

 

Waren Sie selbst bei einem der ZukunftsAteliers dabei? Welche Rückmeldungen haben Sie bekommen?

Leider war ich nur bei der Vorstellung der Ergebnisse im K1 in Traunreut mit meinem zehnjährigen Sohn dabei. Es war aber ein großartiges Erlebnis. Zu sehen, wie die Kinder stolz ihre Ergebnisse präsentierten. Zu spüren, wie ernst und wichtig für sie ihre Themen waren. Wir sprechen noch heute immer wieder über den Druck, den die Kinder verarbeitet haben und was wir tun können, um entspannter durchs Leben zu gehen. Von der Herangehensweise der Kinder zum Thema „Massentierhaltung“ und dem Kunstwerk, das immer noch in der Schulaula steht, erzähle ich regelmäßig.

Ich hoffe, dass dieses Jahr viel mehr Menschen ins K1 kommen und sich ansehen, was die Kinder bewegt. Ich hoffe auch, vielleicht eine Präsentation der Ergebnisse in München organisieren zu können.

 

Gibt es in diesem Jahr eine Fortsetzung und kann man sich als Schule dafür bewerben?

Ja, es gibt eine Fortsetzung! Wir freuen uns auf Bewerbungen von Schulen. Lehrkräfte können sich sowohl mit einer Klasse als auch mit einer Projektgruppe bewerben. Das Format richtet sich an die Jahrgangsstufen 7 bis 12. Wer Interesse hat, kann sich gerne per Email melden unter mail@dasmaximum.com und bekommt weiteres Infomaterial zugeschickt.

Wir suchen auch noch Sponsoren. Je mehr wir finden, umso mehr Projektgruppen können wir ermöglichen. Der Rahmen ist nicht ganz günstig.

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Wer sich für DASMAXIMUM und das Projekt ZukunftsAtelier interessiert, findet hier weitere Infos: https://www.dasmaximum.com/

 

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