Bayern setzt Gurkenwasser gegen Glatteis ein

Salzhaltiges Gurkenwasser, das bei einem niederbayerischen Unternehmen sonst ins Abwasser fließen würde, kommt nun beim Winterdienst zum Einsatz.

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von Florian Roithmeier

Das Unternehmen Develey stellt vor allem Senf her, produziert aber auch – im Werk Dingolfing in Niederbayern – eingelegte Gurken. Dabei entsteht Salzwasser als „Abfallprodukt“. Bisher kam das ins Abwasser. Seit diesem Winter wird das Gurkenwasser als Sole für den Winterdienst genutzt. Der Freistaat Bayern spart somit jedes Jahr bis zu fünf Millionen Liter Wasser und 700 Tonnen Salz.

Direkt gegenüber vom Develey-Werk in Dingolfing liegt die Straßenmeisterei, die auch für den Winterdienst zuständig ist. Da kam einem Develey-Mitarbeiter die pfiffige Idee: Wenn Develey saure Gurken herstellt, entsteht dabei Salzwasser, das sonst ins Abwasser käme … Und die Straßenmeisterei stellt aufwändig selbst Sole her. Es klingt zunächst verrückt, aber: Warum nicht das übrige Gurkenwasser der Straßenmeisterei zur Verfügung stellen? Ist ja beides im Endeffekt „Salzwasser“.

Zusammenarbeit mit dem Freistaat Bayern

Develey ist deshalb mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr ein sogenanntes Joint Venture eingegangen, eine Unternehmenskooperation. Das überschüssige Salzwasser stellt Develey der Straßenmeisterei zur Verfügung. So muss diese einen Teil ihrer Salzsole nicht mehr selbst herstellen.

Diese ist eine von mehreren nachhaltigen Ideen des Unternehmens, das im November 2019 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhalten hat. In einer Presseerklärung zeigt sich der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart begeistert: „Gemeinsam verringern wir so die Menge an Salz, das in die Umwelt gelangt – eine Win-Win-Situation für unsere Straßenmeistereien und das Unternehmen.“

Gurkenwasser als Streumittel – ist das sinnvoll?

Laut Develey hat es zahlreiche Tests gegeben, die belegen, dass die Gurkensole bedenkenlos auf die Straße aufgetragen werden kann.

Bevor es soweit ist, muss das Gurkenwasser aber erst aufgesalzt werden: Streusole braucht etwa 20 Prozent Salzanteil, die Gurkensole hat jedoch nur etwa zehn Prozent. Außerdem sind mehr Mitarbeiter*innen notwendig, um das zu kontrollieren. Kritiker*innen zweifeln deshalb an der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. Auf Nachfrage von good news for you gibt das Unternehmen an, auf Null herauszukommen. Selbst, wenn Develey draufzahle, sei es das wert. Man wolle ein Beispiel aufzeigen, was alles im Sinne der Umwelt möglich ist.

Etliches Salz und Wasser gespart

Rund 700 Tonnen Salz und fünf Millionen Liter Wasser können die Straßenmeistereien durch die Zusammenarbeit mit Develey jedes Jahr einsparen. Der Dingolfinger Develey-Werksleiter Thomas Huber sagte gegenüber der Lokalzeitung Wochenblatt, die eingesparte Sole reiche, um 1.500 Kilometer Straße vor Glatteis zu schützen und freut sich, wenn sich für die Idee Nachahmer*innen finden.

 

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