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Letztes Jahr entdeckte eine Ente den kuscheligen Balkon von Katja aus Berlin und baute dort ihr Nest. Seitdem ist dieser sehr beliebt.

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von Kristin Frauenhoffer

Im zweiten Jahr installierte Katja eine „Enten-Cam“ und konnte so die Enten per Videokamera beobachten.

Letztes Jahr im März versuchte jede*r von uns die Zeit des Lockdowns sinnvoll zu gestalten. Oder einfach nur, ihn heil zu überstehen. Katja aus Berlin hatte gerade in dieser Zeit eine sehr wichtige Aufgabe. Unfreiwillig wurde ihr Balkon zum Nistplatz einer Stockente. Und als die kleinen Küken dann geschlüpft waren, musste sie ihnen und ihrer Entenmama dabei helfen, zurück zum Wasser zu gelangen.

Zuerst entdeckte Katja aus Berlin nur ein Loch in ihrem Hochbeet auf dem Balkon. „Ich fand das etwas unheimlich, weil ich die Ente gar nicht gesehen hatte und mich dann fragte, wer oder was das wohl gewesen sein mag“, erzählt sie. Als dann am nächsten Tag das erste Ei im Loch lag, wurde ihr klar, dass ihr Balkon gerade zum Nistplatz auserkoren worden war. Katja nahm es gelassen hin und polsterte das Nest mit etwas Stroh aus, was wiederum die Ente ziemlich gelassen hinnahm. Sie schien sich in keinster Weise gestört zu fühlen.

Katjas Ente war in diesem Jahr schon die 73., die auf einem Balkon nistete

Katjas gefiederte Freundin auf dem Balkon.

Sie kam dann jeden Tag für ein bis zwei Stunden vorbei und legte jeweils ein Ei. Am Ende waren es 11 Eier, die im Nest lagen. „Am Anfang war immer noch der Erpel dabei und wartete unten auf der Wiese. Er muss die Ente ja täglich neu befruchten“, berichtet Katja. Sie ist mittlerweile zur Enten-Spezialistin geworden. Denn als sie bemerkte, welche Verantwortung ihr nun zuteil geworden war, informierte sie sich beim NABU darüber, wie sie die Entenfamilie am besten unterstützen könnte. Dazu gibt es mehrere Merkblätter, Katjas Fall ist keine Ausnahme. Ihr wurde damals die laufende Nummer 73 vom NABU zugeteilt. Das bedeutet, dass sich bis dahin schon 72 weitere Balkon- oder Gartenbesitzer*innen allein aus Berlin mit Gastenten gemeldet hatten. „Irre, oder?“, lacht Katja.

 

Immer weniger geeignete Brutplätze für Stockenten

Gemütlich im Nest.

Beim NABU liest man, dass der Hintergrund für die Wasserflucht der Enten allerdings kein erfreulicher ist. Denn da rund um die Berliner Gewässer immer mehr gebaut wird und somit Schilfgürtel wegfallen, finden Stockenten immer weniger geeignete Brutplätze. Sie weichen auf ruhigere – und luftigere – Plätze aus, wo sie in Ruhe brüten können. Die Berliner Balkone scheinen für die gefiederten Tiere ideal zu sein, denn im Frühjahr sind die meisten noch relativ unbenutzt und bieten gleichzeitig Schutz vor Regen.

 

Die Nestflüchter brauchen Hilfe, um zum Wasser zu kommen

Fertig zum Transport – die Küken werden im Karton zum Wasser gebracht.

Die Enten erweisen sich mit ihrem Verhalten also als durchaus kreative Geschöpfe. Nur wenn dann die Küken schlüpfen, gibt es häufig Probleme. Katja erzählt, wieso: „Enten sind Nestflüchter und werden von ihrer Mutter spätestens 48 Stunden nach dem Schlüpfen an das nächstgelegene Gewässer geführt. Ich wohne allerdings im zweiten Stock und die Küken können noch nicht fliegen.“ Hier kam nun der große Einsatz von Enten-Pflegemama Katja und ihrem Partner. Denn die Küken konnten nur mit ihrer Hilfe zum – für kleine Entenfüße relativ weit entfernten – Müggelsee gelangen. Katjas Partner fing Mutter und Kinder ein und gemeinsam transportierten sie sie in zwei Kisten Richtung Ufer. Während dieser Zeit mussten Küken und Mama ständig in Hörweite sein, um so in Kontakt bleiben zu können. Am See angekommen, stieg Mama-Ente ins Wasser und die Küken hüpften hinterher. Auch wenn kleine Enten noch nicht fliegen können, wie man perfekt schwimmt, wissen sie.

 

„Ich hätte 24 Stunden Enten-TV betreiben können.“

Doch Katjas Enten-Abenteuer war damit nicht zuende. In diesem Frühjahr kam die Ente zurück und brütete erneut im Hochbeet der Berlinerin. „Dabei gibt es hier hunderte von Balkonen“, schmunzelt Katja. Offenbar hat es der Ente bei ihrer Gastgeberin gut gefallen. Und nicht nur das: Vermutlich ist sogar eines der Küken aus dem letzten Jahr zum Brüten bei Katja vorbeigekommen. Zwei Wochen, nachdem die erste Ente mit dem Brüten fertig war, besetzte sie das Nest, um ihrerseits zu brüten. Katja erkannte sie an ihrem markanten Hinterkopf. Damit sie die beiden Enten durchgängig beobachten konnte, ohne sie zu stören, installierte ihr Partner eine kleine Kamera – die Enten-Cam über dem Nest. „Ich hätte 24 Stunden Enten-TV betreiben können“, lacht sie. Doch auch von Katjas persönlicher Präsenz auf dem Balkon ließen sich die Enten nicht aus der Ruhe bringen. „Sie sind sehr ruhige und pflegeleichte Gäste – bis auf die Auswilderung.“

 

Auswilderung mit Hindernissen

Auswilderung mit Hindernissen. Die Ente muss über mehrere Kreuzungen. Katja trägt die Kleinen.

Die Auswilderung verlief bei der zweiten Entenfamilie anders als erhofft. Katjas Partner konnte die Entenmutter nicht fangen und so blieb den beiden nur eine Möglichkeit übrig. Sie mussten mit den Küken im Körbchen zu Fuß zum Wasser marschieren. Die Entenmama lief hinter den aufgeregt piepsenden Küken hinterher, über mehrere Straßenkreuzungen hinweg. Katja musste darauf achten, dass sie immer in Hörweite blieben und gleichzeitig aufpassen, dass der Entenmama nichts passierte.

Ob die Enten im nächsten Jahr wiederkommen, ist ungewiss. Aber Katja ist auf ihre gefiederten Gäste vorbereitet und wird ihr Hochbeet vorsorglich mit Stroh auspolstern. Wenn es so weitergeht, könnte ihr Balkon bald zur Heimat mehrerer Entengenerationen werden.

 

 

 

 

So sieht die Auswilderung aus:

 

Ein Blick in die Enten-Cam:

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

Herzlichen Dank an Uta Nabert, die uns auf diese aufschlussreiche Geschichte aufmerksam gemacht hat!

 

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