Flower Power:
Wo Love und Peace ihren Anfang nahmen

Im Stadtviertel Haight Ashbury in San Francisco hatte die Flower-Power- und Friedensbewegung der 1960er Jahre ihren Ursprung.

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von Petra Bartoli y Eckert

In den vergangenen Wochen war ich in den USA unterwegs. Eine meiner Stationen führte mich nach San Francisco in das legendäre Viertel „Haight Ashbury“, in dem die Flower Power-Bewegung ihren Ursprung hatte. Was diese Straßenkreuzung bei mir ausgelöst und was ich dort erlebt habe, hat mich nachhaltig beschäftigt.

Wer San Francisco hört, denkt vermutlich zuerst an die Golden Gate Bridge, an Cable Cars und Chinatown. All das habe ich natürlich gesehen. Ich bin über das Wahrzeichen der Stadt – die riesige rote Brücke – gelaufen. Ich habe in einer Garküche in Chinatown gegessen und bin mit der historischen Straßenbahn gefahren. Was mich aber noch viel mehr beeindruckt hat, war der Ausflug in eine ganz besondere Ecke dieser kalifornischen Stadt am Pazifik: Haight Ashbury.

Das Viertel ist nach den beiden Straßen benannt, die sich hier kreuzen. Die Haight Street führt von Ost nach West. Die Ashbury Street verläuft ansteigend von Nord nach Süd. Bunte, häufig liebevoll renovierte viktorianische Häuser prägen den Stadtteil. Ich schlendere an Shops vorbei, die aus der Zeit gefallen scheinen. In den fünf Häuserblocks in Haight Ashbury finden sich Plattenläden und Secondhand-Geschäfte mit Schlaghosen, Batikhemden und weiten, knallbunten Kleidern. Und jede Menge Krimskrams-Shops mit Hippie-Souvenirs.

Love and Peace – Die friedliche Revolution der 1960er Jahre

Was das Viertel aber so besonders macht, ist seine Geschichte. Hier in Haight Ashbury nahm Ende der 1960er-Jahre die Flower-Power-Bewegung ihren Anfang. Ihr Höhepunkt war im Sommer 1967, der als „Summer of Love“ in die Geschichte einging. Mit einer Art friedlichen Revolution wollten junge Menschen gegen den Vietnam-Krieg protestieren – und legten den Grundstein für ein völlig neues Lebensgefühl. Die Leute gingen zu Hauf auf die Straßen. Und sie besuchten die vielen kostenfreien Konzerte, die damals angesagte Bands wie Greatful Dead, Janis Joplin oder Jefferson Airplane mitten auf der Haight Street gaben.

Der Stadtteil ist auch heute noch ein Künstlerviertel und zieht mich magisch in seinen Bann. In einem bunten Hippie-Laden lese ich auf einem Plakat, wo die Bandmitglieder von Greatful Dead damals lebten. Ich mache mich auf die Suche – und stehe wenige Minuten später vor einem wunderschönen grauen Haus mit langer Eingangstreppe. Den Kopf im Nacken, stelle ich mir vor, wie der Alltag der Band in den 60ern hier in dem Haus wohl ausgesehen hat. Eine ältere Frau stellt sich neben mich und folgt meinem Blick. Sie trägt bunte Kleidung, lächelt und nickt. „Ja, da haben sie gewohnt“, meint sie und setzt voraus, dass wir beide an die gleichen Menschen denken. Dem Alter nach hat sie die Zeit damals wohl als junge Frau miterlebt.

Das ehemalige Wohnhaus der Band „Greatful Dead“

Auf den Spuren legendärer Flower-Power-Musiker*innen

Plötzlich greift sie in ihre Umhängetasche. „Schau, ich habe eine alte Telefonbuchseite. Mit dem Eintrag von Janis Joplin!“ Sie hält mir ein dicht bedrucktes, abgegriffenes Papier unter die Nase. Und tatsächlich: Ganz unten steht: Joplin Janis. Mit Straße, Hausnummer und Telefonnummer. Ich bedanke mich bei der Frau, dass sie ihren Schatz mit mir geteilt hat und mache mich auf den Weg zu der angegebenen Adresse.

Das Haus der Sängerin Joplin – eines von mehreren, in denen sie hier in der Gegend gelebt hat – ist lindgrün und hat eine rote Haustüre. Davor parkt ein Transporter, aus dem ein Handwerker Werkzeug holt. Er dreht sich um, sieht mich und grinst. „Du suchst das Haus von Janis? Dann bist du hier richtig!“, meint er. „Sie hat da aber nur ein paar Monate gelebt. Hier im Viertel waren die Mieten in den 1960er-Jahren extrem billig. Naja, nachdem der Mietvertrag ausgelaufen ist, hat sie sich eine neue Bleibe um die Ecke gesucht.“ Er zuckt mit den Schultern.

„Kanntest du Janis Joplin persönlich?“, möchte ich wissen. Der Mann nickt. „Ja, aber nicht so eng. Also eigentlich nur aus der Ferne. Dafür war ich Handlanger für Jefferson Airplane. Das war eine tolle Zeit. Ich war damals Anfang 20. Die Bewegung hat viel verändert. Nicht zuletzt mein Leben.“ Ich mustere den Mann. „Vielleicht bist du ja richtig berühmt und ich weiß es nur nicht“, meine ich und grinse. Der Mann fängt schallend an zu lachen, schüttelt den Kopf und deutet zu seinem Transporter. „Berühmte Leute arbeiten etwas anderes als ich. Nein, ich bin nicht berühmt. Und ich habe den Absprung geschafft.“

Sonnen- und Schattenseiten der Flower-Power-Zeit

Das ist auch gut so, denke ich. Denn das Leben hier in den 1960er Jahren hatte nicht nur gute Seiten. Neben der Idee von Liebe und Frieden waren in der Flower-Power-Zeit auch viele Drogen im Spiel. Und die Sucht hat ihre Opfer gefordert. Janis Joplin gehört zum „Club der 27“ – jenen Künstler*innen, die mit 27 Jahren gestorben sind. Bei Joplin war es eine Überdosis Heroin.

Ich verabschiede mich von dem freundlichen Handwerker, lasse ein letztes Mal das Viertel auf mich wirken und gehe weiter. Wie ein Mantra verfolgt mich der Slogan der 60er-Jahre-Bewegung. Love and Peace. Liebe und Frieden. Überall. Für alle Menschen auf der Welt. Wie wichtig das auch heute wäre! Ich fühle mich beschwingt und beschenkt von den netten Begegnungen. Und nachdenklich.

 

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