Gaiali bietet unterhaltsames Wissen to go

Wer keine Zeit hat, viele Bücher zu wälzen und das Internet durchzusuchen, kann auf die Berliner App zugreifen, um das Allgemeinwissen aufzupeppen.

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von Oxana Bytschenko

Frau schaut auf Smartphone
Die App Gaiali bietet Wissen in verschiedenen Kategorien. In ein paar Minuten ist man schlauer. Fotos: Gaiali

Ein kleiner Test: Was sind die sieben Weltwunder? Mir fallen da immer nur die Pyramiden und die Hängenden Gärten ein … Aber welche waren die anderen fünf? Oder seit wann gibt es das Internet? Ich tippe auf 1962. Richtig ist aber 1969. Nicht einmal ein paar Semester Wirtschaftsinformatik haben diese Zahl in mein Gehirn gebrannt. Dritter Versuch: War Caravaggio ein Künstler oder ein Verbrecher? Wie bitte? Einer meiner Lieblingskünstler soll ein Verbrecher gewesen sein? Das glaube ich einfach nicht.

Aber das war tatsächlich so, wie ich in der App Gaiali erfahre. Das Berliner Start-up bietet Allgemeinwissen to go: Die Folgen dauern nur wenige Minuten und bestehen aus kleinen Geschichten, die das Wissen unterhaltsam verpacken. Cornelius von Rantzau entwickelte die Audio-App zusammen mit Vladimir Cotric. Und der Auslöser war die Liebe.

Horizont erweitern durch Liebe

Cornelius von Rantzau (rechts) entwickelte die Audio-App, weil er seine Wissenslücken merkte, als er seine spätere Ehefrau kennenlernte. Co-Gründer Vladimir Cotric hat die App programmiert.

Wie er dem Businessinsider verriet, lernte Cornelius von Rantzau Gaia kennen, eine Kunsthistorikerin, die später seine Ehefrau wurde. Dabei stellte er fest, wie wenig er über Kunst und Architektur wusste. Also fing er an zu lesen und entwickelte dadurch neue Interessen. Die Allgemeinbildung wurde für ihn zum Tor zum eigenen Start-up. Die App Gaiali ist nach seiner Frau benannt. Co-Gründer Vladimir Cotric hat sie programmiert.

Die Geschichten in der App schreiben Historiker*innen und freie Autor*innen. Die Rubriken reichen von Kunst, Literatur und Geschichte über Technik, Natur und Mythologie bis zu Religion, Wirtschaft und Architektur. Es ist belebend, in Zeiten, in denen wir viel über Inzidenzen und Virusvarianten wissen, in andere Themen zu schnuppern: zum Beispiel die olympischen Götter aufzufrischen oder etwas über Guiseppe Verdis „Ohrwurm“-Opern zu hören. Die App macht es Hörer*innen leicht, das Hirn auf Wanderschaft gehen zu lassen.

Geschichten in Bildern – eine hohe Kunst

Nach einer kurzen Fahrradfahrt weiß ich zum Beispiel, dass Pierre-Auguste Renoir bereits mit 15 Jahren von seiner Malkunst leben konnte – und sein Leben dann eine dramatische Wendung nahm. Beim Spaziergang erfahre ich, warum die Maya-Ruinen als „Wunderbauten der Maismenschen“ bezeichnet werden. Das Volk glaubte tatsächlich, dass der erste Mensch aus Mais geformt war. Eine putzige Vorstellung, oder? Es sind genau solche Bilder, mit denen die Wissenshappen von Gaiali Spaß machen.

Auch komplexere Themen wie grünes Wirtschaften sind erklärt. In dieser Playlist werden Themen wie moderne Stadtplanung, Sharing Economy und Europas Green Deal behandelt – kurz und knackig. Die Folgen sind wie Bücher in Kapiteln unterteilt und eignen sich gut, um einen groben Überblick zu bekommen. Etwa, wenn ein bestimmter Begriff schon öfters gefallen ist, aber man keine Ahnung hat, was dahinter steckt. Wer jedoch in die Tiefe gehen möchte, muss außerhalb von Gaiali recherchieren. Die Wissenshappen sind eben nur oberflächlich und eher für einen Small Talk als für eine Expertenrunde geeignet.

Die großen Gefühle und Umweltschutz

Die App kann man aber nutzen, um Wissenslücken zu füllen. Wir alle wissen etwa, dass fossile Brennstoffe der Umwelt schaden. Aber wieso genau und wie schädlich sind sie jeweils? Oder im Bereich Literatur: Wer zum Beispiel „Die Leiden des jungen Werthers“ im Deutschunterricht verpasst hat, kann diese Lücke schnell auffüllen – und erfährt, warum Goethe damals eine ganze Generation verführte. Innerhalb nur weniger Wochen – ein Genie! – hatte er einen Roman geschrieben, der viele Menschen berührt und provoziert hat. Die ganz große Gefühlswelt eines Menschen, clever in vertraute Briefe verpackt. Die App macht Lust, das Buch (nochmal) zu lesen. Sie weckt aber auch neue Interessen: Im Bereich Literatur kann man zum Beispiel französische Autorinnen wie Colette, Madame de Stael oder Jasmina Reza entdecken.

In Zeiten der knappen Zeit haben Wissen-Apps wie Gaiali gute Chancen. Schließlich müssen wir ständig Neues lernen. Wenn wir kleine Wissenslücken beim Radfahren, im Bus oder Auto schließen können, hilft es weiter. Zum Beispiel mir bei den sieben Weltwundern: Davon gibt es inzwischen zwei Varianten. Ich kannte nur die Weltwunder der Antike, nicht aber die Weltwunder der Neuzeit. Dabei sind diese viel interessanter als die Hängenden Gärten – und zwei davon habe ich schon besucht.

 

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