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In einem Bauernhofkindergarten sind die Kleinen ganz nah dran an der Landwirtschaft. Mit vielen positiven Effekten.

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von Kristin Frauenhoffer

Gerade der Umgang mit Tieren ist für Kinder wertvoll. Im Bauernhofkindergarten gibt es genügend Übungsobjekte.

Tiere füttern, im Heu spielen, Früchte direkt vom Baum pflücken. Als Stadtkind habe ich immer vom Bauernhofleben geträumt. Die Ferien auf dem Bauernhof waren immer zu kurz, am liebsten hätte ich dort dauerhaft gewohnt. Und vermutlich wäre ein Bauernhofkindergarten wie der in Krummbek im äußersten Norden Deutschlands für mich ideal gewesen. Dort haben die Kinder die wunderbare Chance, ihre Umwel, Natur und die Landwirtschaft hautnah mitzuerleben. Mit all der Faszination, aber auch all der Verantwortung, die mit der Pflege eines landwirtschaftlichen Betriebs einhergehen.

Der Bauernhof-Kindergarten: eine „Schatzkiste wundervoller Möglichkeiten“

Vor 22 Jahren gründete die Ökotrophologin, Montessori-Pädagogin und Betriebswirtin Anne-Marie Muhs auf ihrem eigenen Bio-Hof den allerersten Bauernhofkindergarten Deutschlands – die „Wurzelkinder“. 18 Kinder erleben dort an fünf Tagen die Woche den Bauernhof mit allen Sinnen. „Das ist eine Schatzkiste wundervoller Möglichkeiten. Die Kinder erleben Geburt und Tod, arbeiten aktiv mit, treffen verschiedene Menschen und Tiere“, sagt Bianka Busch, die leitende Erzieherin der Einrichtung seit 21 Jahren. Mit meinen kindlichen Vorstellungen, wie es auf einem Bauernhof zugeht, hat das allerdings manchmal wenig zu tun. Die Kinder bekommen vielmehr eine realistische Vorstellung vom Bauernhofalltag.

Für Bauernhofkindergarten-Kinder nichts Besonderes – ein Traktor.

Viel Platz und besondere Erlebnisse

Dazu gehört beispielsweise, dass sie die Jahreskreisläufe der Natur ganz unmittelbar erleben und erfahren, woher unsere Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden. Gleichzeitig haben sie viel Platz, um ihrem Bewegungsdrang nachzukommen und Dinge zu erleben, die nicht erst künstlich erzeugt werden müssen wie in einem Stadtkindergarten. Das viele Draußensein stärkt das Immunsystem und die frische Luft macht Kinder ausgeglichener. Durch die Witterung und die Landwirtschaft muss Vieles zudem spontan und sehr flexibel gehandhabt werden. So entstehen täglich neue und oft besondere Erlebnisse – wie zum Beispiel die Getreideernte oder die Geburt eines Lämmchens.

Wurzelkinder bleiben Wurzelkinder

Auch Kuchenbacken gehört gelegentlich dazu. In manchen Kindergärten sind die Kinder der Reihe nach mit der Frühstücksvorbereitung dran.

Gerade diese Spontanität und das Gefühl von Freiheit machen für Bianka Busch den Reiz eines Bauernhofkindergartens aus. „Zwar gibt es, wie in anderen Kindergärten, Anordnungen, aber wir sind irgendwie spontaner. Es gibt nicht am Mittwoch „Englisch“, sondern wir verbringen vielleicht den Vormittag auf dem Strohboden. Oder wir erkunden gemeinsam das Dorf“, beschreibt sie ihren Alltag. Und an manchen Wochenenden fahren die Familien gemeinsam mit den Erzieherinnen nach Fehmarn. Es seien tolle und einprägsame Momente, die den Kindern als schöne Kindheitserinnerungen bleiben werden. Da wundert es auch nicht, dass sich sogar die jetzt schon erwachsenen Kinder mit 26 immer noch als „Wurzelkinder“ fühlen, wie Bianka Busch schmunzelnd berichtet.

Im Bauernhofkindergarten übernehmen Kinder selbstständig Verantwortung

Die frisch gelegten Eier zu holen, ist eine Aufgabe der Kinder.

Es gibt noch einen weiteren Punkt, den das Konzept des Kindergartens auf dem Bauernhof ganz natürlich abdeckt. Dieser kommt beim Umgang mit den Tieren besonders zum Tragen. Die Kita-Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen; ein wichtiger Aspekt des Alltags auf einem Bauernhofkindergarten. So ist es bei einigen Einrichtungen üblich, dass Kinder die Patenschaft für ein bestimmtes Tier oder an einem Tag eine spezielle Aufgabe übernehmen. „Wir möchten die Kinder ermutigen, vieles selbst auszuprobieren. Sie können bei uns Butter herstellen, die Tiere füttern oder Eier holen. Sie erwerben aber auch andere Fähigkeiten, zum Beispiel wen sie  am Hof fragen können – den Bauern, den Schlachter oder die Nachbarin“, erklärt Bianka Busch. Für sie ist gerade dieses Gefühl von Gemeinschaft wertvoll, und der Bauernhofkindergarten bietet einen idealen Platz dafür.

Nachfrage nach Plätzen ist riesig

In Deutschland hat sich seit der Gründung der Wurzelkinder im Jahr 1999 einiges getan. Mittlerweile gibt es rund 70 Bauernhofkindergärten und das Interesse ist riesig. Auch hier macht sich der allgemeine Trend hin zu mehr Natur und einem bewussteren Umgang mit dieser bemerkbar. „Die Nachfrage nach Plätzen in bestehenden Kindergärten ist sehr groß. Wir erhalten wöchentlich neue Anfragen zu Gründungsberatungen“, berichtet Larissa Schweizer. Sie ist im Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e. V. (BAGLoB) und berät dort Menschen, die einen Bauernhofkindergarten gründen möchten. Dabei geht es sowohl um Fragen der Finanzierung, den Kontakt zu Behörden und Ämtern als auch um die konzeptionelle Umsetzung. Ungefähr 50 der deutschen Bauernhofkindergärten sind Mitglieder in der BAGLoB, die auch als Plattform für den fachlichen Austausch dient.

Jeder Bauernhofkindergarten ist anders, aber matschig wird es überall

Matschhosen gehören zum Bauernhofkindergarten unbedingt dazu.

Die Kindergärten sind alle sehr unterschiedlich. Manche haben – wie die Wurzelkinder – feste Räume zur Verfügung, bei anderen sind die Kinder den ganzen Tag draußen. Dennoch sollte ein Bauernhofkindergarten nicht mit einem Waldkindergarten verwechselt werden, wie Bianka Busch anmerkt. Denn der enge Kontakt zum landwirtschaftlichen Betrieb ermögliche Kindern ein ganz individuelles Erlebnis, weil jeder Hof anders sei. So kann ein Kindergarten auf einem ökologischen oder einem konventionellen Hof angesiedelt sein. Es ginge nicht nur um Bauernhofromantik, sagt die Erzieherin und ergänzt: „Wir haben hier ja zum Beispiel auch eine Schweinezucht und Schlachterei, die die Kinder kennenlernen.“

Diese Art Kindergarten biete zwar viele spannende, lebensnahe Erfahrungen, käme jedoch nicht für jede Familie in Frage. Auch die täglich aufs Neue zu waschenden Matschhosen sind vermutlich für einige Familien eine Herausforderung. Bianka Busch und ihre Wurzelkinder hingegen stört das wenig. „Für mich gibt es keinen schöneren Arbeitsplatz“, sagt sie. Und wenn meine Familie und ich in der Nähe eines solchen Kindergartens wohnen würden, wäre mein Sohn ganz sicher ein Bauernhofkindergarten-Kind.

Wer mehr über das Konzept des Bauernhofkindergartens wissen will oder vielleicht selbst einen gründen möchte, wende sich an Larissa Schweizer beim BAGLoB e.V.

Falls ihr mehr über die Wurzelkinder erfahren möchtet, könnt ihr hier auf ihre Webseite gehen.

Und wer auf der Suche nach einem Bauernhofkindergarten in seiner Nähe ist, wird vielleicht bei Kita-Natura fündig. Die Genossenschaft ist ein großer Träger für diese Art Kindergärten.

 

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