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Ehrenamtliche Zahnärzt*innen und Helfer*innen behandeln im Zahnmobil kostenlos unter anderem Menschen, die sich sonst keine Zahnbehandlung leisten könnten.

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von Florian Roithmeier

Angela McLeod (Zahnmedizinische Assistenz & Verwaltung) und Dr. Dirk Ostermann (Zahnärztliche Leitung) vom Zahnmobil Hannover.

Zum Zahnarzt zu gehen, ist für viele ein Routinetermin, den man in der Regel ein oder zwei Mal im Jahr wahrnimmt. Für Menschen ohne Krankenversicherung ist das anders. Zwar muss in Deutschland seit über zehn Jahren jede*r bei einer Krankenversicherung Mitglied sein, trotzdem haben über 100.000 Menschen keinen Versicherungsschutz – aus vielfältigen Gründen. Das Problem: Wer nicht krankenversichert ist, gilt als Privatpatient*in und muss seine Arztrechnungen selbst bezahlen. Bedürftige können es sich also schlicht nicht leisten, zum Zahnarzt oder zur Zahnärztin zu gehen. Im Zahnmobil Hannover – mit sechs Quadratmetern eine der wohl kleinsten mobilen Zahnarztpraxen überhaupt – behandeln Zahnärztinnen und Zahnärzte diese Menschen ehrenamtlich.

Die Idee dazu hatte der Theologe Walter Lampe, ehemaliger Leiter des Diakonischen Werks Stadtverband Hannover. Er sprach die Eheleute Dr. Ingeburg und Werner Mannherz an, ob es eine Möglichkeit gäbe, dass auch Obdachlose Zugang zur Zahnbehandlung bekommen. So entstand die Idee, ein mobile Praxis für Bedürftige einzurichten.

Ein gebrauchter Rettungswagen war schnell gefunden. Dank der Stiftung „Hilfswerk Deutscher Zahnärzte“, dem Hauptsponsor der Initiative, kaufte man diesen im Januar 2012 und baute ihn innerhalb von vier Monaten zur mobilen Zahnartpraxis um. Nachdem der TÜV den Wagen abgenommen hatte, ging das Zahnmobil im April 2012 erstmals auf Tour.

High-Tech auf nur sechs Quadratmetern

Das Mobil ist wie eine normale Zahnarztpraxis ausgestattet, nur kleiner. Auf dem Beifahrersitz ist die „Rezeption“. Es gibt eine Klimaanlage, Fußheizung und Strom. Die Zahnärzt*innen können in der Mini-Praxis Füllungen, Prothesenreparaturen und sogar Röntgen-Aufnahmen durchführen. Sind größere Eingriffe nötig, vermitteln die Verantwortlichen an niedergelassene Zahnärzt*innen oder an ein zahntechnisches Labor weiter.

Das Zahnmobil ist jede Woche unterwegs.

In Hannover haben die Ehrenamtlichen zwischen zwei und sechs Einsätze pro Woche. Für jeweils zwei Stunden steht das Zahnmobil dann an verschiedenen Orten in Hannover. Die Menschen können sich direkt vor Ort behandeln lassen. Den genauen „Tourenplan“ gibt es hier.

„Wir kümmern uns um Menschen, die sich als Teil der Armutsbevölkerung auf Hannovers Straßen aufhalten. Sie sind im Kontaktladen Mecki und den anderen ambulanten Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, in den Essensausgaben und Kleiderkammern anzutreffen. Viele dieser Personen sind schon seit Jahren auf der Straße und gehören zu den regelmäßigen Besucher*innen dieser Einrichtungen“, so Carsten Krüger, 1. Vorsitzender des Fördervereins Zahnmobil Hannover e. V. Auch Migrant*innen oder Personen ohne Papiere werden behandelt.

Bislang haben die insgesamt rund 30 ehrenamtlich Tätigen etwa 2.500 Patient*innen aus über 50 Ländern behandelt. Etwas 62 Prozent davon waren zum Behandlungszeitpunkt nicht krankenversichert. „Prinzipiell kann sich jede*r im Zahnmobil behandeln lassen. Kriterien für eine Behandlung haben wir nicht. Uns geht es im Wesentlichen darum, Patient*innen ein niederschwelliges Angebot zu geben“, so Krüger zu good news for you.

Unterstützer*innen gesucht!

Das Zahnmobil kostet derzeit etwa 80.000 Euro im Jahr: Darin enthalten sind Behandlungsmaterialien, Treibstoff, Wartungsarbeiten, Versicherungen und vieles mehr. Hauptsächlich finanziert sich das Zahnmobil über Spenden. Man kann die Initiative unterstützen, indem man Mitglied im Förderverein wird oder einmalig spendet.

Des Weiteren werden laufend Zahnärzt*innen (gerne auch Studierende dieses Fachgebiets), Helfer*innen und Fahrer*innen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, gesucht.

Die Bundeszahnärtekammer nennt es ein „Vorbildprojekt“, die Stadt Hannover hat ihm 2013 den Anerkennungspreis „Leinestern“ verliehen.

Mehr zum Zahnmobil Hannover gibt es auf www.zahnmobil-hannover.de.

Eine ähnliche Initiative, getragen von der Caritias, gibt es auch in Hamburg: https://www.caritas-hamburg.de/hilfe-und-beratung/arme-und-obdachlose/zahnmobil/zahnmobil

 

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