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Das Start-up aus Dresden setzt auf Nachhaltigkeit und klärt über Papierherstellung auf. Aus den Matabooks-Produkten wachsen sogar Blumen.

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von Oxana Bytschenko

Cover von Kalendern mit Affen und Blumen

Matabooks stellt Bücher und Kalender aus Graspapier her. Fotos: Matabooks

Kay Hedrich wirkt in Interviews tiefenentspannt, dennoch greift er einen großen Markt an – den Buchmarkt. Der gelernte Mediengestalter hat 2015 das Unternehmen Matabooks in Dresden gegründet, um das Lesevergnügen nachhaltig zu gestalten. Das Unternehmen produziert vegane Bücher, Postkarten, Notizhefte und Kalender. Damit ist es der erste Verlag in Deutschland, der Bücher aus Graspapier anbietet.

Der CEO hat auch Verlagswesen und Medienmanagement studiert und damals gemerkt, wie viel Verschwendung im Verlagswesen herrscht. Bei seinen Reisen ins Ausland, vor allem in Indien, hat er die Folgen dieser Verschwendung in Form von Müllbergen gesehen und beschlossen, etwas gegen die Umweltverschmutzung zu tun. Wieder zurück in Deutschland, setzte er sich bei einem Forschungsprojekt mit dem Thema Graspapier im Verpackungsbereich auseinander. Kay Hedrich dachte sich: Warum sollte es nicht auch für Bücher funktionieren?

In Büchern stecken Tierknochen und Ziegenleder

Kay Hedrich

Kay Hedrich ist CEO von Matabooks und forscht weiter, um die Produkte zu verbessern.

Die herkömmliche Herstellung von Büchern ist nicht vegan. Für die Ledereinbände wird meist  Ziegenleder aus Afrika und Asien eingesetzt. Beim Binden verwenden die Druckereien meist sogenannten Glutinleim, einen Klebstoff, der durch Auskochen von Knochen, Häuten und Leder entsteht. Die Druckfarben bestehen aus Karmin, einem Farbstoff aus Läusen und Schwefelsäure. Außerdem werden Bücher unempfindlich gegen Feuchtigkeit gemacht: Beim sogenannten Hydrophobie-Verfahren kommt wiederum Glutinleim zum Einsatz, wie auch bei den Geldscheinen.

Kay Hedrich wollte einen anderen Weg gehen: Bücher ohne Chemie, vegan und kompostierbar herstellen. Das Motto seines Unternehmens lautet „Aus Respekt gegenüber Mutter Natur“. Mata bedeutet „Mutter“ auf Sanskrit. Das Gras für Matabooks stammt aus der Umgebung von Dresden, wird getrocknet und zu Pellets gepresst. Dazu kommt Holzzellstoff aus FSC-zertifizierten Wäldern und Wasser. Die Bücher aus Graspapier sind mit einem wasserbasierten Klebstoff gebunden. Die Reststoffe der Herstellung dienen als Füllstoffe beim Versand. Am Ende ihrer Lebenszeit können Matabooks im Altpapier entsorgt werden.

Patente für Graspapier-Forschung

Privatpersonen und Verlage können Bücher in Dresden drucken lassen. Neben dem Verlag und der Produktion kümmert sich Matabooks auch um die Forschung und arbeitet dafür mit Hochschulen zusammen. Die Forschung selbst finanzieren sie durch den Buchverkauf. Erste Patente in Bereichen Klebstoff und Druckfarben wurden bereits beantragt. Eine Besonderheit sind die Samenbücher: Im Cover sind Samen eingearbeitet. Man kann den Buchdeckel einpflanzen und auf diesem Weg Blumen zum Wachsen bringen.

Lesevergnügen auf Graspapier: Matabooks verlegt Romane und Kinderbücher.

Romane und Kinderbücher aus dem Matabooks-Verlag gibt es in limitierten Auflagen, sie können aber nachproduziert werden. Die Matabooks-Notizbücher und -Jahresplaner entstehen in Zusammenarbeit mit externen Illustrator*innen und sind meist nur limitiert erhältlich. Kay Hedrich legt auch auf Themen wie Female Empowerment, Selbstvertrauen und Umweltschutz Wert. Bei einzelnen Produkten spendet das Unternehmen einen Betrag an soziale Organisationen. „Das gehört für uns zur Nachhaltigkeit“, sagt er. Die Bücher sind im Online-Shop des Unternehmens, aber auch im Buchhandel wie bei bei Thalia erhältlich.

Matabooks gibt Büchern mit Makeln eine Chance

Ein charmanter Aspekt ist, dass das Dresdner Unternehmen auch Büchern mit Makeln wie kleinen Kerben oder Kleberesten eine Chance gibt. Sie landen auf dem „Perfekt unperfekt“-Stapel und sind günstiger zu haben. Nichts soll weggeschmissen werden.

Notizbuch

Die Samenbücher enthalten Samen im Cover. Wenn man den Buchdeckel einpflanzt, wachsen daraus Blumen.

Schließlich sind die Zahlen für Deutschland erschreckend: Der Papierverbrauch liegt bei 240 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Damit ist er so hoch wie in keinem anderen Industrie- und Schwellenland der G20. Schuld daran ist der Status als Exportnation, die viele Produkte einpacken muss. Der steigende Online-Handel, der die Verpackungsmengen in die Höhe schießen ließ, tut sein übriges dazu. Aber auch die Bürokratie und mangelnde Digitalisierung haben ihren Anteil. Eine gute Nachricht dabei ist, dass Deutschland auch Spitze beim Recycling von Papier ist: Für 100 Kilogramm Papier werden im Schnitt 76 Kilogramm Altpapier verwendet.

Und wenn jetzt noch immer mehr Bücher und Kalender aus Graspapier hinzukommen, könnte der Papierverbrauch weiter sinken.

 

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