Johannes Seidel möchte mit seinem Start-up CarbonBuddy umweltfreundliches Leben einfach und Klimaschutz zu einem normalen Bestandteil unseres Lebens machen

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Teil II des Portraits von Isabel Maier-Harth

Johannes Seidel, der Gründer von CarbonBuddy

 

Der Klimawandel an sich ist keine good news. Die gute Nachricht hingegen ist, dass wir in den industrialisierten Ländern mit wenig Aufwand eine Menge für das Klima tun können. Jeder kann ein Climate-Hero (Klimaheld*in) werden! Wie? Mit Klimaschutz und CarbonBuddy, von Johannes Seidel in Hawaai’i auf den Weg gebracht. 

Wie funktioniert CarbonBuddy?

CarbonBuddy möchte den Menschen und auch großen Firmen die Möglichkeit geben, Emissionen auszugleichen, die sie selbst zum Beispiel durch einen weiten Flug oder eine Autofahrt verursachen. Der Ausgleich findet durch internationale und lokale Projekte statt, dank derer Emissionen aktiv reduziert werden.

Kannst du uns dafür ein Beispiel geben?

Wenn ein Tourist von Europa nach Hawaii fliegt, produziert er etwa sieben Tonnen an CO2-Emissionen. Das lässt sich schwer vermeiden, da es kaum eine Alternative gibt, anders nach Hawaii zu kommen.

Außer erst gar nicht zu fliegen…

Das ist natürlich immer die beste Lösung, aber unrealistisch. Reisen ist ja auch eine sinnvolle und sehr positive Sache und trägt zum Verständnis für andere Kulturen bei. Die Frage ist eher, wie oft man interkontinental fliegen muss. Wenn du fliegst, möchte dir CarbonBuddy dabei helfen, das Klima neutral zu machen. Das geht zum Beispiel, indem du einen Betrag an CarbonBuddy zahlst. Das Geld geht dann an ein Projekt, das in Energieeffizienz und regenerative Energien investiert. Darüber werden die Emissionen ausgeglichen. Das Projekt kann man sich bei uns auf der Website aussuchen.

Glaubst du, es finden sich genug Menschen, die mitmachen?

Ich habe während meiner Masterthesis auf Hawaii 400 Touristen befragt, um herauszufinden, ob ich mit meinem Anliegen alleine bin: Sind die Menschen bereit für eine Veränderung? Würden sie dafür auch Geld ausgeben? Ich war überrascht, die Resultate waren sehr positiv. Anscheinend haben viele Menschen das Problem erkannt und wären auch bereit, finanziell etwas dafür zu leisten, um die Auswirkungen zu reduzieren. Man muss es ihnen leicht machen und da setzt CarbonBuddy an. Momentan muss man selbst den Schritt gehen, einen extra Aufwand betreiben, um Ausgleichsprojekte zu finden, die man unterstützen kann. Was wäre, wenn dieser Prozess bereits im Buchungsprozess integriert wäre? Dann hätte man den Aufwand nicht mehr, sondern würde mit nur wenig Klicks etwas für den Klimaschutz tun.

CarbonBuddy gibt es seit etwa einem Jahr. Wie entwickelt sich dein Start-up?

Ich bin gerade dabei, Partner für lokale Ausgleichsprojekte zu gewinnen. Dann brauche ich noch einen ersten Partner aus der Wirtschaft, der eine Ausgleichsoption in seinen Buchungsvorgang einbindet. Die letzten Monate habe ich außerdem damit verbracht, Online-Emissionsrechner zu entwickeln, mit denen sich Emissionen einfach berechnen lassen. Diese Rechner gibt es nun für Veranstaltungen und Unternehmen hier auf Hawaii. Das nächste große Projekt ist ein Rechner für Touristen. Das Ziel ist, es den Menschen einfach zu machen. Wir wollen eine App entwickeln, mit der man sich sein eigenes Ausgleichsprofil erstellen kann. Somit kann jeder ganz einfach zum Klimaheld werden und versuchen, ein bestimmtes Level nicht zu überschreiten.

Demnach wäre es ein großer Erfolg, wenn Airlines diesen Schritt mitgehen würden?

Ja, das wäre super. Flüge produzieren hohe Emissionen. Die Menschen sollten aber erst einmal in kleinen Schritten für das Thema sensibilisiert werden. Der Ausgleich für einen sieben Tonnen-Emissions-Flug würde bei CarbonBuddy zwischen 70 und 140 Dollar liegen, je nach Anbieter. Fliegst du mit deiner ganzen Familie in einen eh schon teuren Urlaub, möchtest du wohl kaum noch zusätzlich 500 Dollar ausgeben – auch wenn es konsequent wäre. Mit Hawaiian Airlines bin ich schon in Kontakt. Es ist jedoch nicht so leicht, die richtigen Leute zu finden, die das Verständnis hierfür aufbringen – vor allem in den USA. Eine Schnorcheltour hingegen könnte man bereits mit etwa einem Dollar ausgleichen. Wenn das tagtäglich tausend Leute machen, kann man damit richtig viele Projekte finanzieren.

Welche Projekte kommen denn in Frage?

Es sollen Projekte finanziert werden, die das Geld in Energieeffizienz oder in erneuerbare Energien investieren. Ich habe u. a. Kontakt zu jemandem, der ein Mietwagenunternehmen starten möchte. Wenn dieser in Elektromobilität mit erneuerbaren Energien investiert, ist das ein prima Kunde für uns. Außerdem bin ich an Projekten interessiert, die Kohlenstoff aus der Atmosphäre wieder binden, zum Beispiel Wiederaufforstungen oder bestimmte landwirtschaftliche Praktiken.

CarbonBuddy will aber auch nicht-industrialisierten Staaten helfen, besser mit Energie umzugehen, damit diese auf Dauer ihr Geld für sinnvollere Dinge als Energie ausgeben können. Der Begriff „ökologische Gerechtigkeit“ (climate justice) spielt hier eine wesentliche Rolle: Damit ist gemeint, Menschen zu helfen, die vom Klimawandel betroffen sind, obwohl sie ihn nicht mit ausgelöst haben.

Es gibt bereits andere Anbieter, die sich auf CO2-Ausgleich spezialisiert haben. Was ist bei CarbonBuddy anders?

Ja, es gibt einige andere Anbieter – ich schätze ca. 200. Mit denen könnte man sich auch zusammenschließen. Die Sache ist die, dass man das als Konsument*in momentan alles selbst machen muss. Ich buche zuerst den Flug und gehe dann auf die Seite des Emissionsausgleiches. Das sind zwei Schritte. CarbonBuddy möchte erreichen, dass der Ausgleich sofort Teil des Kaufs ist – in einem Schritt. Nur wenige sitzen nach der Flugbuchung vor dem Computer und denken sich: Hey, ich könnte doch mal meine Emissionen ausgleichen! Wir bieten zusätzlich Projekte an, die sonst niemand hat und legen großen Wert auf Transparenz und Fairness.

Sind wir zu bequem oder einfach nur unwissend?

Wir sind nicht nur bequem. Wir arbeiten den ganzen Tag, haben vielleicht auch Familie, Termine, sind im Stress. Da denkt man nicht immer auch noch an die Umwelt… Das darf man niemandem vorwerfen. CarbonBuddy möchte erreichen, dass Klimaschutz ein normaler Bestandteil unseres Lebens wird: umweltfreundliches Leben einfach machen. Genauso wie es uns gerade einfach gemacht wird, umweltschädlich zu leben, soll es auch einfach werden, umweltfreundlich zu leben.

Wie finanziert sich CarbonBuddy?

Momentan nur durch eigene Mittel. Mit CarbonBuddy verdiene ich noch kein Geld, weshalb ich nur in Teilzeit daran arbeiten kann. Mein Ziel ist jedoch, in diesem Jahr an mindestens zwei Wettbewerben für Unternehmensgründungen teilzunehmen. Ich hoffe, so zusätzliche Mittel zu bekommen. Über eine Crowdfunding-Kampagne denke ich auch nach.

Ich muss nebenher noch unser Haus umbauen, mache Freiwilligenarbeit bei einer Gärtnerhotline, helfe bei einem Aufforstungsprojekt und arbeite hier auf der Kaffeefarm. Aber ich arbeite da, wo andere Urlaub machen, das ist auch sehr schön! Mittelfristig möchte ich gerne Vollzeit für das Projekt arbeiten und mich voll und ganz dem Klimawandel widmen.

Wie kann man, wenn man aktiv mitwirken möchte, CarbonBuddy aktiv unterstützen?

Wir möchten eine App entwickeln. Das ist aber nicht ganz so einfach und auch nicht günstig. Momentan habe ich kein Geld, um Leute dafür zu bezahlen. Falls jemand im IT-Bereich begabt ist und bei der Entwicklung der App mithelfen möchte, wäre das grandios. Ich bin kein Informatiker und Programmierer und eingeschränkt in der Betreuung der Homepage. Auch hier würde ich gerne Hilfe annehmen, um die Webseite noch weiter auszubauen und zu verbessern.

Momentan liegt der Fokus auf der Suche nach Unternehmenspartnern, die den Ausgleich an Touristen bringen können. Aber auch wenn jemand Unternehmen kennt, die für eine Zusammenarbeit in Frage kommen, kann er sich an uns wenden.

Das gleiche gilt für Projekte, die später vom Ausgleich profitieren: Sei es eine Schule in einem Entwicklungsland, der wir mit Solarpanelen auf dem Dach Energie spenden können. Oder auch ein Projekt ganz in deiner Nähe. Am besten sind Projekte, die neben Emissionen auch noch Armut oder Ungerechtigkeit bekämpfen. Du hast eine Idee? Ich freue mich über jede Hilfe und jeden Hinweis.

Wie können wir in unserem Alltag CO2 reduzieren?

Der erste Schritt ist, den Energieverbrauch zu reduzieren. In der Regel bezieht sich das auf Elektrizität im Haushalt und auf die Energie, die wir für die Mobilität brauchen. Also einfach einmal das Auto stehen lassen und Fahrrad fahren. Wenn das nicht geht, ein sparsames Auto oder ein Elektroauto kaufen. Öffentliche Verkehrsmittel benutzen, die Bahn statt den Flieger für kürzere Distanzen nehmen. Bei Neuanschaffungen auf energiesparende Elektrogeräte achten, z. B. beim Kauf einer Waschmaschine oder Lampen. Da wird in Deutschland ja schon viel angeboten.

Oder wenn ich im Urlaub mit tropisch-warmem Klima bin, nicht den ganzen Tag die Klimaanlage laufen lassen.

Das erste ist zu reduzieren. Und dann bleibt ja immer noch einiges übrig, das wir schlecht vermeiden können: Wir brauchen Strom, fahren mit dem Auto, fliegen in den Urlaub oder auf Geschäftsreise. Der zweite Schritt ist dann, das auszugleichen – auch den Verbrauch im täglichen Leben und nicht nur die Urlaubsreise.

Was wünschst du dir für CarbonBuddy?

Dass sich möglichst viele angesprochen fühlen, vor allem auch junge Leute, denn die jungen Generationen können noch am meisten ausrichten. Bis jetzt sind alle Leute, mit denen ich gesprochen habe, begeistert von CarbonBuddy. Der Schritt, aktiv etwas zu tun, kommt leider noch von wenigen. Aber ich bleibe stets optimistisch und denke, dass sich diese Hürde abbauen lässt. Es bewegt sich schon sehr viel, jetzt geht es darum, die Menschen mitzunehmen. Nur ein Beispiel: Als Deutscher kann ich meine gesamten Jahresemissionen für ca. 100 Dollar ausgleichen und somit klimaneutral leben. Entscheiden muss jeder selbst, ob das zuviel Aufwand ist.

Wir leben auf so einem schönen Planeten und es geht uns so gut in der westlichen Welt. Wenn wir es als Verursacher nicht hinbekommen, das Problem zu lösen, hinterlassen wir unseren Kindern eine Welt, in der ich nicht leben möchte. Die Aussicht ist momentan leider etwas düster. Die gute Nachricht aber ist, dass wir mit wenig Aufwand vom Klimawandelproblem zur Klimawandellösung werden können. Das ist die good news. Jeder kann ein Klimaheld, eine Klimaheldin werden!

An CarbonBuddy zu arbeiten, macht mich glücklich. Allein der Gedanke daran reicht aus, damit es mir gut geht. Es ist eine so sinnvolle Arbeit, die sich so gut anfühlt und genau das ist, was ich tun möchte. Dadurch wird die Arbeit zum Genuss und ich habe die Möglichkeit, den Menschen etwas von diesem Glücksgefühl weiterzugeben. #becomeaclimatehero

Johannes Seidel ist vor einigen Jahren nach Hawai’i ausgewandert. Vulkane sind hier eine natürliche Energiequelle.

 

Mahalo nui loa. Vielen herzlichen Dank!

Wir haben euer Interesse geweckt? Dann könnt ihr sofort zum Klimaheld, zur Klimaheldin werden und die Initiative mit einem Projekt eurer Wahl unterstützen. Kauft euch ein Ausgleichszertifikat (offset) oder verschenkt einen Gutschein bei CarbonBuddy:

https://www.carbonbuddy.com/

 

Autorin Isabel Maier-Harth

 

Landschaftsarchitektin, Weltenbummlerin

Versucht, möglichst umweltbewusst zu leben.

https://halloisabel.wordpress.com/

 

 

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Teil I des Portraits zu Johannes Seidel und CarbonBuddy

 

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