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Die jugendlichen Klimaaktivist*innen von "Fridays for Future" bekommen Unterstützung von ihren Großeltern.

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von Kristin Frauenhoffer

Ein Motto, das alle „for Future“-Bewegungen eint: „Omas for Future“ bei einer Mahnwache in Leipzig (Foto: Katrin Schwurak).

Es waren die jungen Leute, die das Thema Klimaschutz im August 2018 in den zentralen gesellschaftlichen Diskurs brachten. Oftmals mit einem anklagenden Unterton in Richtung der älteren Generation, die in ihren Augen zu wenig getan hat, um den Klimawandel abzuwenden. Jetzt hat sich eine Gruppe dieser „Omas“ (und Opas) klar positioniert: „Wir übernehmen Verantwortung und engagieren uns im Klimaschutz.“ Seit September 2019 gibt es die „Omas for Future“.

Es war ein Aha-Erlebnis für die Leipziger Unternehmerin Cordula Weimann, als ihr Harry Lehmann – ein Bekannter, der im Bundesumweltamt arbeitet – ein Schaubild der ansteigenden Fieberkurve der Erderwärmung zeigte. In diesem Moment wurde ihr klar, dass es nicht reicht, sich auf das Pariser Klima-Abkommen zu verlassen. Klimaziele können so nicht eingehalten werden  und sofortiges Handeln ist nötig. Für die Erde, für sie selbst, vor allem aber für ihre Kinder und Enkel: „Ich kam mir verlogen vor, meine Enkel zu fördern, ihnen von der schönen Erde zu erzählen und gleichzeitig mit meinem Lebensalltag dazu beizutragen, dass sie kaum eine so friedliche, freiheitliche, harmonische und fruchtbare Erde genießen werden wie ich“, fasst es Cordula Weimann zusammen.

Alles, was keinen Preis hat, scheint wertlos zu sein.

Sie gründete kurzerhand zusammen mit Harry Lehmann den Verein „Leben im Einklang mit der Natur e. V.“. Das ist der Trägerverein von „Omas for Future“. Ihr Ziel war es, die “Rechnung der Natur“ sichtbar zu machen. Denn in unserem gesellschaftlichen System, so die Einschätzung von Weimann und ihren Mitstreiter*innen, orientiere sich der Wert von etwas an seinem Preis. Alles, was keinen Preis hat, scheint wertlos und damit nicht schützenswert zu sein. So auch die Natur. Die Folge sei ungehemmter Konsum, Verschmutzung von Gewässern, zu hoher CO2-Ausstoß. Die Initiative „Omas for Future“ möchte zeigen, wie wertvoll unsere Natur ist, welche Auswirkungen unser aktuelles Konsumverhalten hat und wie man das ändern kann. Damit starteten sie eine “Klimawende von unten“.

Klimawende von unten: Was bedeutet das?

Das Erkennungszeichen der Omas for Future: Erdherz (Foto: Katrin Schwurack).

„Omas for Future“ reihen sich in eine Vielzahl neu gegründeter „for Future“-Bewegungen ein, unter anderen den „Parents“ (Eltern), „Employees“ (Arbeitnehmer*innen) oder „Scientists“ (Wissenschaftler*innen). Alle eint das gleiche Ziel: den Klimawandel abmildern oder aufhalten. Doch während die Jugendlichen der Fridays for Future-Bewegung ganz „oben“ ansetzen, bei den politischen Entscheidungsträger*innen, gehen „Omas for Future“ einen anderen Weg. Sie möchten zeigen, wie jede*r von uns selbst etwas tun kann, um das Klima zu schützen. Es geht ihnen um das alltägliche Handeln, das weder mit dem moralischen Zeigefinger noch mit asketischer Selbstkasteiung einhergehen muss, sondern sogar Freude bereiten kann. Damit möchten sie die politischen Aktionen der „Fridays“ ergänzen und signalisieren: Wir haben euch verstanden und wir unterstützen euch.

Die „Wirtschaftswunderkinder“ müssen mit ins Boot.

Es ist ein starkes Signal, das die Generation 50+ mit der Gründung von „Omas for Future“ sendet. Sie erkennt damit die Tatsache an, dass es ihre Generation war, die vom Wirtschaftswachstum um jeden Preis profitiert und zum Teil bedenkenlos mitgemacht hat: „Gelbe Säcke, rein mit dem Plastik, wird schon irgendwie richtig entsorgt werden“, fasst es Cornelia Wabra zusammen. Sie leitet die Regionalgruppe der „Omas“ in Regensburg. „Dafür übernehmen wir Verantwortung und darum engagieren wir uns mit den anderen „For future“-Bewegungen für eine lebenswerte Zukunft“, erläutert sie weiter. Sie selbst war schon immer umweltbewusst, fährt lieber Bahn als zu fliegen und kauft hauptsächlich regional ein. Trotzdem habe sie ein schlechtes Gewissen, als „Wirtschaftswunderkind“ zu der jetzigen kritischen Situation unüberlegt beigetragen zu haben.

Die Politik habe hier versagt, so die Meinung von Cordula Weimann: „Sie hat unseren Konsum und Lebensstil unterstützt und uns nie gesagt, welche Belastung das für die Natur ist. Sie tut es auch heute noch nicht entschlossen genug.“ Daher sei es so wichtig, die Älteren mit ins Boot zu holen. Denn sie sind es, die die Kreuzfahrten machten, großen Autos führen oder in viel zu großen Wohnungen lebten.

„Omas for Future“ bringen positive Lebenserfahrungen gegen Bedenken und Ängste ein.

Cordula Weimann, Gründerin von „Omas for Future“ (Foto: Regionalgruppe Leipzig).

So reflektiert und einsichtig sind aber längst nicht alle, die dieser Generation angehören. Cornelia Wabra und auch Cordula Weimann sehen sich immer wieder mit kritischen Meinungen konfrontiert, mit Bedenken und Ängsten. „Diese nehmen wir ernst und versuchen, an positive Lebenserfahrungen anzuknüpfen und Fragen zu stellen. Zum Beispiel gab es früher auch nicht das ganze Jahr über Erdbeeren und Tomaten. Aber wenn es sie dann gab, waren sie meist geschmackvoller“, erklärt die Vorsitzende der Regensburger Gruppe. Das sei auch das Besondere am Beitrag von „Omas for Future“: „Unsere Perspektive ist die der Älteren. Wir haben nachhaltiges Leben erfahren. In unserer Jugend wurden Kleider noch aufgetragen, nicht weggeschmissen, und es gab Gemüse aus dem eigenen Garten.“ Diese Erfahrung brächten sie ein und knüpften daran an. Statt mit Weltuntergangsszenarien zu drohen, setzen die Omas auf Eigenverantwortung und wollen zeigen, dass es ein gutes Gefühl sein kann, sich für die Umwelt einzusetzen.

Bei den „Omas“ sind auch Opas willkommen.

Auch dass sie sich gerade „Omas for Future“ und nicht etwa „Grandparents“ oder „Seniors“ nennen, hat eine besondere Bedeutung. Zwar seien auch Opas bei der Bewegung dabei, doch signalisiere das Wort „Oma“ Erfahrung und Wärme. Darüber hinaus klinge es weniger neutral als Seniors oder Grandparents. Zudem sollen hier einmal die Frauen im Vordergrund stehen. „Bis jetzt wird überall hauptsächlich die männliche Form gewählt, die Frauen sind mitgedacht und erwünscht – hier ist es mal umgekehrt“, erklärt Cornelia Wabra. Außerdem erzeuge es oftmals ein Lächeln beim Gegenüber. Wer denkt nicht gern an seine Oma (zurück)?

Über 40 Regionalgruppen, rege Öffentlichkeitsarbeit und monatliche Videokonferenzen: Die Omas sind sehr aktiv.

Cornelia Wabra engagiert sich mit einer eigenen Regionalgruppe bei den Omas (Foto: privat).

Bei „Omas for Future“ sind keineswegs klischeehafte „Omas“ dabei, die in Kittelschürze am Herd stehen und abends mit Stricknadeln im Sessel sitzen. Im Gegenteil: Die Gründerin Weimann ist eine Powerfrau wie sie im Buche steht – eine Unternehmerin, die früher ein Cabrio fuhr. Heute ist sie für ihre Klimaschutz-Mission unterwegs und konnte nach der Gründung von „Omas for Future“ schnell viele Mitstreiter*innen hinter sich vereinigen. Mittlerweile gibt es eine professionelle Webseite und über 40 Regionalgruppen. Diese treffen sich einmal monatlich per Videokonferenz. Zum Austausch verwenden sie einen Diskussionskanal auf Telegram, es finden virtuelle Fortbildungen zum Beispiel zum Thema Storytelling statt. Damit dürften die letzten Oma-Klischees beseitigt sein.

Wobei, eines haben wir noch: Auf die Ratschläge unserer Omas haben wir doch oft lieber gehört als auf die unserer Eltern. Und so gibt es auf der Webseite von „Omas for Future“ ein Infoportal mit wertvollen, praktischen Tipps für ein nachhaltigeres Leben. Daneben finden immer wieder konkrete Aktionen wie beispielsweise eine Baumpflanzaktion in den Regionalgruppen statt. Neu ist auch ein Podcast. In diesem zeigt Gründerin Cordula Weimann jeden Dienstag und Donnerstag an lebensnahen Beispielen auf, wie man Umweltschutz mit Freude und Spaß umsetzen kann.

Tipps von „Omas for Future“ für nachhaltige Weihnachten

Weihnachten steht vor der Tür und da gerade dieses eigentlich besinnliche Fest vielerorts zum Sinnbild des Konsums geworden ist, hat Cornelia Wabra noch ein paar Tipps für ein nachhaltiges Weihnachtsfest: „Man kann ein gutes regionales Menü kochen. Zum Beispiel Forellencarpaccio, Ente oder frisches Wild in Pfeffersauce, Spinatlasagne als vegetarische Alternative oder Karpfengulasch, dazu einen Bratapfel mit Vanillesauce. Geschenkpapier kann man aus Packpapier machen und mit Kartoffeldruck verzieren. Man kann Selbstgestricktes, Filzuntersetzer, selbstgemachte Marmelade oder Pastete verschenken.“

Ein Wunsch an Weihnachten: mehr Entschlossenheit beim Kampf gegen den Klimawandel

Und weil man sich an Weihnachten auch immer etwas wünschen darf, hat uns Cornelia Wabra auch noch ihren Wunsch für die Zukunft verraten: „Ich wünsche mir die Entschlossenheit, mit der die Regierung gegen das Corona-Virus vorgeht, auch bei Maßnahmen gegen den Klimawandel. Dass die finanziellen Mittel dafür zur Verfügung stehen und Mut zu Innovation und Investition in klimafreundliche Technologien. Denn gegen den Klimawandel gibt es keine Impfung. Da hilft nur die dauerhafte Umstellung des Lebens in vielen Bereichen.“ Das sei zwar schwieriger umzusetzen, doch jede Veränderung beginnt mit einem kleinen Schritt.

Mehr über „Omas for Future“ erfahrt ihr hier.

Den Podcast findet ihr bei YouTube, Spotify, Apple Podcasts oder auf der Homepage.

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

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