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Der Familienvater will mit seinem Reparaturservice und -anleitungen erreichen, dass kaputtes Spielzeug nicht gleich weggeworfen wird.

Gefällt dir? Vielen Dank fürs Teilen!

 

von Florian Roithmeier

Ich habe ein relativ altes Smartphone. Gebraucht, funktioniert aber einwandfrei. Oft höre ich: „Möchtest du nicht einmal ein neues Handy?“ Und ich frage mich: „Warum, wenn das alte doch noch funktioniert?“ So ähnlich tickt auch Hans-Joachim Simon aus Bonn. Der Familienvater findet, dass man viel mehr Dinge reparieren könnte, statt sie wegzuwerfen oder neu zu kaufen. Mit seinem Spielzeug-Reparaturservice „Papa, mach ganz!“ möchte er seinen Teil dazu beitragen. good news for you hat mit ihm über die Idee und seine Vision gesprochen.

 

Herr Simon, erzählen Sie bitte kurz etwas über sich.

Ich habe Informatik studiert und bei der Telekom gearbeitet. Als meine Stelle dort gestrichen wurde, musste ich feststellen, dass keiner mehr einen Ü50-Informatiker einstellen will. Ich hatte zwar Stellenangebote von weiter weg, da ich aber auch nicht von meinen Kindern wegziehen wollte, haben meine Frau und ich die Rollen getauscht: Sie arbeitete Vollzeit und ich wurde Hausmann. So bin ich vermehrt dazu gekommen, Spielzeug zu reparieren, was dann vor etwa zehn Jahren zum Geschäftsmodell „Papa, mach (das Spielzeug wieder) ganz!“ wurde.

Was bieten Sie genau an?

Das Geschäft hat drei Standbeine: Zum einen stelle ich Reparatur-Anleitungen zur Verfügung. Manche kostenlos – zum Beispiel solche zur Reparatur von Spielzeug allgemein -, manche zum Kauf. Zum anderen biete ich einen Reparatur-Service an, das heißt, Kund*innen schicken mir ihr defektes Spielzeug und ich repariere es. Außerdem verkaufe ich Ersatzteile für Spielzeug, die man sonst im Internet kaum findet.

Was reparieren Sie alles?

Grundsätzlich Kinderspielzeug aller Art. Mein Hauptgeschäft liegt aber darin, Eisenbahnen von Lego, Brio oder Playmobil zu reparieren. Was ich nicht repariere, sind Modelleisenbahnen, Stofftiere oder Puppen – denn dafür gibt es Teddykliniken und Puppendoktoren. Ich habe auch Interessent*innen, die mir Bilder von ihrem Spielzeug schicken und fragen, ob ich das reparieren kann.

Es gibt aber Fälle, da kann man einfach nichts mehr reparieren. Einmal wollte ein Kunde, dass ich eine über 100 Jahre alte Spielzeuglok repariere. Die Mechanik war vernietet, sodass der Aufwand zu groß gewesen wäre. Da muss man ehrlich sagen: Da geht nichts mehr.

Ich arbeite auch nicht für Sammler*innen, Modellbauer*innen oder Restaurator*innen von wertvollen oder historischen Spielwaren, sondern für Kinder. Alle meine Reparaturen sind darauf ausgerichtet, dass das Spielzeug wieder funktioniert und Kinder ihre Freude daran haben können.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit „Papa, mach ganz!“?

Im vergangenen Jahr hatte ich über 500 Aufträge. Da ich nebenbei Hausmann bin, ist das aber kein Full-Time-Job. Ich schätze, ich verbringe pro Tag etwa fünf bis sechs Stunden mit den Reparaturen. Den ganz großen Gewinn mache ich damit auch nicht. Für mich ist das eher ein schönes Hobby neben dem Verlag, den ich noch betreibe.

Die Werkstatt von Spielzeug-Reparateur Hans-Joachim Simon.

Was hat Sie dazu gebracht, sich mit Spielzeugreparatur zu beschäftigen?

Ich bin kein Feind neuer Technologien. Auch ich werde mir ein neues Smartphone kaufen, wenn mein jetziges den Geist aufgibt.

Aber ich finde: Viele Dinge könnte man viel länger benutzen. Und warum sollte man Dinge nicht mehr verwenden, obwohl sie noch gut sind? Es sollte viel mehr repariert werden. Oft reichen einfache Maßnahmen. Das Wissen dafür möchte ich unter die Leute bringen.

Heutzutage gibt es im Internet unzählige Videos, Tutorials und Anleitungen für Do-It-Yourself-Reparaturen…

Alles, was dabei hilft, Dinge wieder in den Zustand zu versetzen, den sie einmal hatten, finde ich prinzipiell gut. Mit ihnen kann man einfache Probleme schnell lösen.

Problematisch ist, dass diese Videos oft nur ein einziges Problem in den Blick nehmen und schnell zu lösen versuchen. Es fehlt meines Erachtens die Fehleranalyse und der Tiefgang, für den man auch handwerkliches Geschick braucht.

Auch ich plane, künftig Videos anzubieten, um Menschen, die gerne selbst reparieren wollen, den grundlegenden Umgang mit Reparaturen näherzubringen. Ich sehe das aber nicht als Konkurrenz zu bisherigen Videos, sondern als Ergänzung.

Macht die Spielzeugindustrie Ihres Erachtens genug, um die Wegwerf- und Neukaufmentalität zu bremsen?

Viele nutzen dieses wohlklingende Wort „Nachhaltigkeit“, aber oft zu Unrecht. Man sieht das an Spielzeug vom Billigmarkt. Da ist wenig nachhaltig…

Es gibt gute Ansätze: Zum Beispiel will Lego für seine Produkte künftig Bioplastik nutzen. Auch sind deren Produkte lange haltbar und gut zu reparieren.

Ich sehe aber auch den Handel in der Verantwortung, seine Produktpalette anzupassen. Generell müsste man viel weiter denken. Hersteller*innen müssten meines Erachtens zum Beispiel Ersatzteile für ihre Produkte direkt anbieten oder Handys sollten keine verklebten Akkus haben, die man nicht auswechseln kann.

Gibt es noch etwas, das Ihnen wichtig ist?

Mein Wunsch ist, dass Eltern mit ihren Kindern wirklich spielen, um das Spielzeug kennenzulernen, es wertzuschätzen. Und nicht überall das billigste Spielzeug kaufen…

Mehr zur Spielzeug-Reparatur von Hans-Joachim Simon, zu den Anleitungen und zum Shop gibt es auf www.papa-mach-ganz.de, dort insbesondere in den „Fragen und Antworten“.

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

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