von Florian Roithmeier
Es klingt zunächst wie Science Fiction, aber Bálint Csontos und das Team der urb-x AG aus der Schweiz wollen ihre Vision bald wahr machen. Worum geht es? Wer in Städten Fahrrad fährt, kennt es: Das Radwegenetz ist selten gut ausgebaut und häufig muss man sich mit anderen Verkehrsteilnehmer*innen einen Kampf um die Fahrbahn liefern.
Wie wäre es, wenn man den Radverkehr einfach in die Luft verlegt? Also quasi „Radl-Autobahnen“ über die Städte verlegt? Mit solchen „BikeHighways“, wie urb-x sie nennt, will das Schweizer Start-up die städtische Mobilität fundamental verändern.
„Radstreifen und Radschnellwege sind wichtig und gut, aber das volle Potenzial des Fahrrads kann man nur mit einer zusätzlichen Hochleistungsinfrastruktur ausschöpfen. Es geht darum, die bekannte Infrastruktur mit der Infrastruktur der nächsten Generation zu ergänzen und schnelle Fahrten über größere Distanzen zur Normalität werden zu lassen“, erklärt Csontos im Gespräch mit good news for you. Die Idee ist: Radwege in fünf Metern Höhe bauen, um die Idee der „15-Minuten-Stadt“ wahr werden zu lassen. Das heißt, alle Ziele des Alltags sollen in maximal 15 Minuten erreichbar sein.
urb-x hat dazu ein „Stecksystem für Fahrradstrecken“ mit verschiedenen Elementen entwickelt (ähnlich wie bei einem Baukasten). Dieses soll jede Stadt nach ihren eigenen Wünschen nutzen und sich so ein individuelles „BikeHighway-Netz“ zusammenstellen können.
So sollen die BikeHighways im Detail funktionieren
Der Highway wird auf Stelzen, die jeweils fünf Meter hoch sind und je 20 Meter Abstand zueinander haben, gebaut. Es gibt verschiedene Einzelteile, die man je nach Bedarf nutzen kann: zum Beispiel Kurven mit einem Radius von bis zu einem Kilometer, gerade Teile, Auffahrt-/Abfahrtselemente oder einen Kreisverkehr.
Die Fahrbahn selbst verläuft insgesamt vierspurig, mit zwei Spuren pro Richtung. Die jeweils linke Spur ist für die zügigen Radler*innen gedacht, die rechte für die gemütlichen – ähnlich wie bei einer Autobahn. Die BikeHighways sind mit einem Spezialbelag (damit man nicht abrutscht) und integrierter Heizung ausgestattet, sodass kein Winterdienst nötig ist.
Für die Sicherheit sorgen ein Geländer und smarte Technik. So warnt der BikeHighway zum Beispiel, wenn sich Fußgänger*innen auf der Fahrbahn befinden. Über Lichtsignale werden – ähnlich wie bei einer Autobahn – Spuren freigegeben und gesperrt. Und wenn doch ein Unfall passiert, soll ein üblicher Krankenwagen den BikeHighway problemlos befahren können. Mehr zu den technischen Feinheiten findest du hier.
Bei alledem ist dem Start-up auch Nachhaltigkeit wichtig. So produzieren in das Geländer integrierte Photovoltaikanlagen fünf- bis achtmal so viel Strom, wie die Anlage selbst braucht. urb-x beabsichtigt des Weiteren, lokales Holz von lokalen Zulieferern zu verwenden und die Transportwege kurz zu halten.
Derzeit vielerorts noch Planungsphase
„Die Planung einer Infrastruktur dauert im öffentlichen Bereich ihre Zeit. Deshalb bauen wir aktuell eine Teststrecke in Basel auf Privatareal“, erklärt Bálint Csontos. „Mehrere Projekte befinden sich im Variantenstudium oder in der Vorplanung. Da gibt es aber überall auch noch einiges zu tun, bis es zum Bau kommt. Die größte Hürde ist, dass man etwas baut, was so noch sehr neu ist und deshalb viele Fragen erstmals beantwortet werden.“
Interessent*innen – auch international – gebe es jedoch bereits. So hat das Land Baden-Württemberg angekündigt, das System in der Region Stuttgart nutzen zu wollen. „Genau so was brauchen wir!“, so Ministerpräsident Kretschmann.
Ein Streckenkilometer soll nach Angaben von urb-x etwa 2,5 Millionen Euro kosten. Eine lohnenswerte Investition in die Mobilität der Zukunft?
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