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Eine Initiative organisiert deutschlandweit Kulturevents und Diskussionsrunden in Privathäusern.

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von Kristin Frauenhoffer

Claudia Bousset ist der kreative Kopf hinter dem Salonfestival.

Als ich den Raum betrete, werde ich als Erstes stumm geschaltet. Nicht, weil ich nichts sagen darf, sondern weil es sonst vermutlich ein wirres Stimmenchaos gäbe, in dem man nichts mehr verstünde. Ich blicke auf die vielen rechteckigen Kästen, in denen die anderen Zuschauer*innen zu sehen sind. Manche blicken erwartungsvoll in die Kamera, andere wirken leicht abwesend. Vermutlich erledigen sie noch schnell etwas am PC. Ja, es ist einiges anders bei diesem Salon Digital, in dem es um die Lage in Afrika geht. Er wird nämlich per Videokonferenz durchgeführt. Statt alle gemeinsam in einem privaten Wohnzimmer irgendwo in Deutschland, sitzen wir jede*r für sich auf dem heimischen Sofa.

Gastgeber*innen öffnen ihre Türen für Kulturinteressierte

Blick in fremde Wohnzimmer: Bei einem Salon kann man das mit dem Kulturgenuss verbinden.

Das Jahr 2020 brachte für die Privatinitiative „Salonfestival“ einige Neuerungen mit sich. Der Weg ins Digitale ist einer davon. „Wir haben dieses neue Format aus der Situation heraus geschaffen, weil wir uns nicht mehr persönlich treffen durften. Mittlerweile ist es kein Ersatz mehr, sondern vollkommen gleichberechtigt mit den anderen Salons“, erzählt Claudia Bousset. Sie ist die Gründerin des Salonfestivals und der kreative Kopf hinter dem Konzept. Dieses beruht darauf, dass kulturinteressierte Menschen ihre Privathäuser für andere öffnen und Musiker*innen, Autor*innen und andere Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft oder der Politik einladen. Es ist eine Mischung aus einer modernen Variante des Hauskonzerts, Kunstgenuss aus nächster Nähe, Lesevergnügen sowie Diskussionsrunden zu gesellschaftlichen Themen.

Digitale Salons bringen Menschen aus der ganzen Welt zusammen

Gerade letzteres hat sich für die im Jahr 2020 eingeführten digitalen Salons als besonders passend erwiesen. Die Veranstaltungen laufen unter dem Motto „Kluge Köpfe zu Gast“. „Es ist deutlich leichter, eine Diskussion zu einem bestimmten Thema digital umzusetzen als beispielsweise eine Musikdarbietung“, erläutert Claudia Bousset. Und ein virtueller Salon hat sogar einige Vorteile gegenüber Veranstaltungen in Präsenz. Die drei Referentinnen, die an diesem Abend dabei sind, leben an verschiedenen Orten über den afrikanischen Kontinent verteilt: in Tunesien, Südafrika und Kenia. „Die Begegnung mit allen dreien wäre in einer Präsenzveranstaltung nicht möglich gewesen“, sagt die Geschäftsführerin des Salonfestivals. Als Teilnehmer*in hat man außerdem das Vergnügen, sich in einen direkten Austausch mit den Referent*innen zu begeben, um seine eigene Meinung zu prüfen oder neu zu finden. Und der Blick „hinter die Kulissen“ – sei es inhaltlich aber auch in die vielen Wohnzimmer, die sich einem zeigen – ist immer spannend.

Das Salonfestival bietet neue Diskussionsräume für Begegnungen auf Augenhöhe

Die Salon-Teilnehmer*innen sind so vielfältig wie die Themen selbst. An diesem Abend haben sich 60 Interessierte eingeloggt. Eine beeindruckende Zahl. „Die meisten sind Wiederholungstäter*innen und erzählen es dann ihren Freund*innen weiter“, erklärt Bousset. Es seien engagierte Menschen, die etwas verändern und bewegen möchten. Mit den Salons schafft die gelernte Buchhändlerin und Marketingexpertin zusammen mit einem 25-köpfigen Team in ganz Deutschland neue Diskussionsräume und zusätzliche Bühnen für Künstler*innen und Kulturschaffende. „Unsere Gesellschaft braucht nichts dringender als diese neuen Orte für den Austausch“, erklärt Bousset. Es ginge um Begegnungen auf Augenhöhe, bei denen neben dem Verständnis füreinander gemeinsam Lösungen entwickelt werden können. Schließlich sei jede*r von uns ein Teil der Gesellschaft und könne in seinem eigenen Rahmen etwas bewegen. Und sei es nur, einen Salon auszurichten.

Jede*r, der Interesse an der Ausrichtung eines Salons hat, ist willkommen

Die Salons finden an ganz unterschiedlichen Orten statt. Hier an einem lauen Sommerabend in einem Privatgarten.

Denn wo und wann ein Salon durchgeführt wird, sei vollkommen variabel. „Wir hatten Salons im Haus, im Freien, in Scheunen und zu jeder Tageszeit. Es findet sich eigentlich immer ein passender Ort“, betont Bousset. So wurden seit der Gründung im Jahr 2014 deutschlandweit über 900 Salons zur Aufführung gebracht. Was als Festival begann (daher der Name), hat sich zu einem ganzjährigen Angebot entwickelt. Jede*r, der Interesse an der Ausrichtung eines Salon hat, kann sich an das Team wenden. Werbung und die Vermarktung der Tickets übernimmt das Salonfestival. Um Verpflegung vor Ort kümmert sich der oder die Gastgeber*in. Die Einnahmen aus den Tickets sowie die Spenden, die beim Salon entrichtet werden können, fließen den Künstler*innen oder Referent*innen als auch der Initiative selbst zu. Das Salonfestival finanziert sich folglich nur aus privaten Mitteln.

In Zukunft soll es eine Online-Community zum Austausch geben

Das Salonfestival wird sich laut der Gründerin auch in Zukunft immer weiter entwickeln. Zusätzlich zu den digitalen Formaten soll es demnächst den „Salon mobil“ geben, der an außergewöhnlichen Orten draußen stattfindet. Außerdem plant Claudia Bousset den Aufbau einer Art „Online Community“, damit sich Interessierte auf der Webseite der Initiative zu verschiedenen Themen austauschen können. „Damit wollen wir den Prozess der Verarbeitung der Themen am Laufen halten. Nicht selten gibt es bei Teilnehmer*innen nämlich einen Nachklang zu den Veranstaltungen, bei dem neue Fragen aufkommen“, erklärt Bousset.

Und sie hat recht damit. Auch bei mir haben sich nach dem digitalen Salon mit den drei Afrika-Expertinnen Fragen ergeben. Denn wenn man einmal etwas tiefer in ein Thema eindringt, möchte man mehr erfahren. Vielleicht ist das der erste Schritt hin zu mehr Teilhabe an gesellschaftlichen Diskursen und dem Verständnis, dass wir alle gemeinsam die Welt von morgen gestalten können.

Weitere Informationen rund um das Salonfestival findet ihr hier.

 

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