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Sisu:
Die finnische Art, glücklich zu sein

Die Finn*innen zählen regelmäßig zu den glücklichsten Menschen weltweit. Das könnte an Sisu liegen, ihrer Einstellung zum Leben.

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von Gerda Stauner

Hinter uns liegt ein langer und dunkler Winter. Die Tage waren kurz, Sonne und blauer Himmel eher selten. So eine Kombination kann einem schon auf das Gemüt schlagen. Trotzdem sind nordische Länder wie Norwegen, Dänemark oder Finnland, die im Winter noch deutlich weniger Tageslicht abbekommen, regelmäßig unter den Top Ten beim World Happiness Report gelistet. Wie kann das sein? In Finnland könnte das an Sisu liegen, einem Lebensgefühl und Teil der finnischen Kultur.

Sisu wurde 2017, pünktlich zum hundertjährigen finnischen Landesjubiläum, zu „Finnlands Wort“ gewählt. Man kann das kulturelle Konstrukt, das eine mentale Eigenschaft beschreibt, schlecht übersetzen. Kraft, Ausdauer, klaglose Beharrlichkeit oder Durchhaltevermögen sind nur Umschreibungen, die teilweise das Lebensgefühl erfassen, für das Sisu steht. Bereits im 18. Jahrhundert taucht die Wortschöpfung schriftlich auf. Ein finnischer Bischof beschrieb damit in seinem Wörterbuch den Ort im menschlichen Körper, wo starke Emotionen ihren Ursprung haben. Doch die Wurzeln von Sisu gehen wohl noch deutlich weiter zurück.

 

Glücklich trotz Widrigkeiten

Im 20. Jahrhundert half die Lebensphilosophie den Finnen, ihre neugewonnenen Unabhängigkeit gegenüber Russland zu behaupten und den Kalten Krieg auch in großer Armut zu überstehen. Es wurde zum gesamtgesellschaftlichen Phänomen und die positive Einstellung half den Menschen, ihr Leben trotz verschiedenster Widrigkeiten zu meistern. Mit modernen Worten könnte man Sisu vielleicht so übersetzen: Es ist okay, nicht okay zu sein.

Hilfe in schwierigen Zeiten

Sogar das finnische Außenministerium gibt Tipps, wie man schwierige Zeiten mithilfe von Sisu überwinden kann: Sei besonnen, bleibe hartnäckig, sei widerstandsfähig, verbessere deine Resilienz und kümmere dich gut um dich selbst. Mache Pausen und genieße die Stille. Doch in Finnland käme wohl niemand auf die Idee damit zu prahlen, wie viel Sisu in ihm stecke. Vielmehr lässt man seine Taten sprechen, um zu zeigen, dass man sein Leben gut meistern kann, auch wenn es einmal schlecht läuft.

 

Definition von Glück

Kritiker könnten dagegenhalten, dass es in einem Land wie Finnland, das stark mit alkoholkranken und depressiven Menschen zu kämpfen hat, mit dem Glücklichsein nicht weit her sein kann. Aber genau da setzt das Konzept von Sisu wieder an: Das eigene Glück ist nicht davon abhängig, wie perfekt das Leben ist. Man kann Zufriedenheit auch dann finden, wenn das Wetter nicht immer warm und sonnig ist oder wenn man persönliche Herausforderungen in privatem oder beruflichem Kontext meistern muss. So kann man zum Beispiel Spaß haben, wenn man in eisigem Wasser badet, weil man sich danach in der Sauna wieder aufwärmen und gute Gespräche führen kann. Oder sich gemeinsam mit seiner Familie darüber freuen, wenn man eine schwierige Zeit zusammen durchgestanden hat. Es ist eben manchmal im Leben auch in Ordnung, wenn nichts in Ordnung ist.

 

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Eine Antwort

  1. Dass „Sisu“ in Finnland auch heute als Lebenseinstellung Bestand haben kann, hängt vielleicht auch mit dem Bildungssystem zusammen, das eine einheitliche gute Bildung für alle gewährt weitgehend ohne Leistungsdruck und Konkurrenz:
    Der finnische Bildungsforscher Pasi Sahlberg beschreibt die finnische Schule mit den Worten, sie unterrichte weniger Stunden, biete mehr Ferien, fordere weniger Hausaufgaben, prüfe nur beim Abitur und basiere auf dem Sprichwort „Das ganze Dorf erzieht das Kind“.[12] Nach neun Jahren kann fakultativ ein 10. Schuljahr besucht werden (etwa 1000 Schüler). Großer Wert wird auf Fremdsprachen und Sonderunterricht gelegt.
    Dazu sind wir in unserem konkurrenten, gespaltenen föderalen Bildungssystem leider nicht imstande.

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