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Auch eine Frage des Blickwinkels:

Was tun, wenn es einem nicht so gut geht?

Es gibt Situationen im Leben, die nur schwer zu tragen sind. Und doch gilt es, nicht aufzugeben. Manchmal ist es eine Frage des Blickwinkels: Vielleicht kann ich doch etwas für mich tun, damit es mir besser geht.
Gefällt dir? Vielen Dank fürs Teilen!

 

von Franziska Iwanow

Heute ist einer dieser Tage, an dem ich schon müde aufwache, mich am liebsten vor der Welt verstecken möchte und mein Körper vor lauter Überforderung flimmert. Die vielen schlimmen Nachrichten triggern den Weltschmerz. In meinem privaten Umfeld gab es in den letzten Wochen heftige Diagnosen und Todesfälle, dazu kommen zum Teil schwere Schicksale von Klient*innen. Es ist gerade emotional und organisatorisch viel, und mein Körper zeigt zu Recht, dass er Zeit zum Ausruhen und Verdauen braucht. Zuguterletzt hat dann gestern ein taktloser, unfreundlicher Youtube-Kommentar unter einer meiner Podcast-Folgen gereicht, um Menschen wieder einmal für eine schwierige Spezies zu halten. Ein anderer Blickwinkel täte gut, aber wie?

Das könnte jetzt ein Text darüber werden, dass auch solche Tage und die damit verbundenen Gefühle ihre Berechtigung haben und Raum brauchen. Oder ich könnte über Methoden schreiben, wie man das eigene Nervensystem beruhigen und die Anspannung loswerden kann.
Aber ich darf hier auf der Plattform good news for you schreiben und das ist eine perfekte Erinnerung für mich, meinen Blick zu weiten und neben dem Schweren das Schöne zu sehen. Das Fröhliche, Freundliche, Liebevolle in der Welt und in Menschen, die positiven Dinge, die geschehen.
Es geht mir nicht um toxische Positivität, also darum, in allem zwanghaft nur die Chance zu sehen und die schmerzhaften Gefühle schönzureden. Es geht darum, auch all die zahlreichen Gründe und Zeichen für Zuversicht, Herzlichkeit, Mut, Hilfsbereitschaft, für innovative Ideen oder ein aufmunterndes Lächeln um mich herum bewusst wahr- und anzunehmen. Ein anderer Blickwinkel bewirkt manchmal Wunder.

 

Den eigenen Blickwinkel immer wieder einmal auf etwas anderes lenken

Es ist ja immer beides da – der schwere, düstere und der leichte, lichte Teil des Lebens. Je anstrengender es gerade ist, je schwerer die Sorgen wiegen, umso eher verschwinden die hoffnungsvollen, mutmachenden, sinnstiftenden Seiten aus dem Blickfeld.
Die gute Nachricht ist, dass man üben kann, den eigenen Fokus zu lenken.

In einem Gespräch mit Isolde, in dem sie voller Begeisterung von ihrem good news for you-Team schwärmte, fragte sie sich und mich kürzlich, warum wir unseren Lieben so selten sagen, wie wichtig sie uns sind und wie wohl wir uns mit ihnen fühlen. Beziehungsweise, warum die meisten Menschen das zwar ihren Partner*innen und der Familie sagen können, aber nicht auch zum Beispiel auf liebgewonnene Kolleg*innen ausweiten.

Dafür gibt es viele verschiedene Gründe: die Angst vor Zurückweisung, davor, dass das Gegenüber die eigene Zuneigung nicht in gleichem Maß erwidert. Die Befürchtung, man könnte aufdringlich oder schnulzig wirken oder dem anderen irgendwie zu viel sein. Oft bestimmt gefühlter Zeitmangel unser Leben. Es gibt so viel zu tun, es muss noch viel erledigt werden, man ist in Eile … Da bleibt scheinbar keine Zeit für große Worte oder Gesten.

 

Bringen wir anderen gegenüber oft genug zum Ausdruck, dass sie uns wichtig sind? Dass wir sie gern haben?

Ich traue mich wetten, dass vielen gar nicht bewusst ist, wie selten sie ihre Wertschätzung ausdrücken. Und schließlich geht man oft automatisch davon aus, die betreffenden Menschen wüssten doch eh, dass wir sie liebhaben, dass sie uns wichtig sind. Erst in besonders emotionalen Momenten – in besonders schönen wie schmerzhaften – wird es wieder zur Priorität, den uns wichtigen Liebsten mitzuteilen, dass sie unser Leben bereichern.

Zuneigung zeigen, liebevolle Freundlichkeit in der Welt wahrnehmen und empfangen: Beides hat in meinen Augen etwas mit dem eigenen Fokus zu tun. Worte sind dabei lange nicht die einzige Sprache. Wertschätzung, Dankbarkeit, Freundlichkeit, Liebe lassen sich wunderbar auf verschiedenen Wegen ausdrücken, selbst wenn man es nicht mit großen Worten hat. Und warum sollte sich das nur auf den engsten Kreis beziehen, wenn Freundlichkeit doch so ansteckend ist?

 

Eine Frage des Blickwinkels: Was und wie nehme ich wahr?

Fangen wir damit an, das Schöne zu sehen. Ich möchte einige Erlebnisse und Beobachtungen meiner letzten Woche mit dir teilen, bevor wir uns ansehen, auf welchen Wegen du deinen Lieben ein Lächeln ins Gesicht zaubern kannst. Ganz bewusst wähle ich die kleinen Momente. Die, die weder viel Zeit noch Geld noch Mühe kosten. Die, die man leicht übersehen kann. Und die trotzdem eine so große Wirkung haben und den Tag eines Menschen spürbar verbessern können.

  • Eine Mutter stand beim Einkaufen mit ihrem tobenden Kleinkind in der Kassenschlange. Statt eines genervten Augenrollens bekam sie von der Frau hinter ihr ein tröstendes Lächeln und den Kommentar: „Durchhalten, es wird leichter!“
  • Der Busfahrer blieb bei strömendem Regen an der Haltestelle einen Moment länger stehen, um auf den heranhetzenden Mann zu warten.
  • Eine Freundin hat in ihrem übervollen Kalender alle Abi-Prüfungstermine meines Sohnes stehen, um mit uns mitzufiebern.
  • Einer meiner Klienten kam fünf Minuten zu spät zu unserer Sitzung, weil er einer Händlerin auf dem Marktplatz spontan beim Ausladen ihres Wagens geholfen hatte. Dafür bekam er von ihr eine Schale Erdbeeren als Dank, über die sich wiederum seine Frau gefreut hat.
  • Wir haben eine Lieblingskassiererin im Supermarkt um die Ecke, weil sie ganz besonders Montag morgens erfrischend gut gelaunt und zu Späßchen aufgelegt ist. Wenn sie da ist, herrscht im ganzen Laden eine fröhlichere Stimmung.
  • Meine Freundinnen und ich haben leider viel zu selten Zeit für einen ausführlicheren Austausch und inzwischen die Angewohnheit, uns kommentarlos Fotos von Sachen zu schicken, die uns Freude machen. Wenn wieder einmal ein Foto von einem      Eichhörnchen in meinem Chat auftaucht, weiß ich ohne Worte, dass sich jemand 1. freut, 2. an mich gedacht hat und 3. die eigene Freude mit mir teilt. So kann ich auch ohne Worte die Zuneigung und unsere Verbindung spüren. Diese Woche gab es besonders schöne Waldfotos.
  • Mein Mann hat mir meine Lieblingsschokolade mitgebracht.
  • Einer mit einem Karton voll beladenen Frau wurde die Tür aufgehalten.
  • In einer flüchtigen Begegnung sagte eine mir unbekannte Frau zu mir: „Du hast richtig schöne Augen!“

Wie sehr so ein spontanes Kompliment den Tag versüßen kann!

 

Und plötzlich weiß mein Hirn, wonach ich suche

Während ich das tippe, fallen mir nach und nach immer mehr dieser kleinen Begegnungen ein: ein herzliches Lachen, als eine ältere Dame und ich uns, auf derselben Seite entgegenkommend, ausweichen wollten. Die Freude aller Umstehenden an einem vergnügt tanzenden Kleinkind. Kurze, nette Unterhaltungen, manchmal auch nur Blickkontakte mit anderen Hundhalter*innen auf den Gassirunden. Und so weiter …

Die Erkrankungen in meinem Umfeld bleiben niederschmetternd. Und auch der empathielose, unfreundliche Youtube-Kommentar nervt mich immer noch, aber ich finde Menschen schon wieder deutlich weniger schwierig 🙂 Wenn wir unseren Blick heben und – anstatt uns ausschließlich auf das Unangenehme, Nervige oder Schmerzhafte zu konzentrieren – offen sind für Lichtblicke, sind sie auf einmal da. Je mehr man danach sucht, umso deutlicher kann man sie sehen, hören, spüren.

 

Ein Lichtblick für andere sein, und Erfreuliches kommt zurück.

Und falls andere Lichtblicke manchmal zu weit weg erscheinen, funktioniert es erstaunlich gut, selbst für welche zu sorgen. Anderen Gutes zu tun, führt in der Regel auch dazu, dass man sich selbst besser fühlt. Ich meine nicht, sich aufzuopfern oder über die eigenen Grenzen und Kräfte zu gehen, sondern freundlich zu sein, Wertschätzung zu teilen und das auszusenden, was man empfangen möchte.

Womit wir wieder bei Isoldes Feststellung wären, dass wir das häufiger tun könnten. Nicht nur bei unseren engsten Lieben, sondern auch in den erweiterten Kreisen. Es ist so leicht, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern!

  • Wenn dir das Sprechen leicht fällt, sag deinen Lieben, dass sie dir wichtig sind. Dass du dich mit ihnen wohl fühlst, dass sie dein Leben schöner machen und du froh bist, dass ihr euch habt.
  • Oder schreibe es. Kleine Zettel mit lieben Nachrichten sind schließlich nicht nur etwas für frisch Verliebte!
  • Versuche, Dinge ganz bewusst nicht für selbstverständlich zu halten und drücke ernst gemeinte Dankbarkeit aus.
  • Wenn dir Worte schwer fallen, lasse Karten, Bilder oder Lieder für dich sprechen.
  • Umarmungen sind auch eine Sprache. 🙂
  • Lob und ernstgemeinte Komplimente haben oft eine so große Wirkung!
  • Eine ganz wunderbare Klientin hat es sich zur Challenge gemacht, jeden Tag einer Person – bekannt oder fremd – ein aufrichtiges Kompliment zu machen. Damit verbreitet sie nicht nur Freude, sondern vor allem ändert sich ihr Blick auf die Menschen, weil sie automatisch an und in jeder Person nach etwas Liebenswertem sucht.

 

Win-win für alle Beteiligten

Es ist also eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Schulen wir unseren Blick für die liebevollen, fröhlichen, hilfsbereiten Gesten von unseren Mitmenschen, fällt uns ein herzlicheres Verhalten leichter. Wenn wir immer wieder bewusst wertschätzend unterwegs sind, kommt viel davon zu uns zurück.

Bei so viel Einsamkeit, Gewalt und Leid in der Welt braucht es Lichtblicke. Wir können nicht – jede*r für sich allein – die großen Probleme lösen. Aber wir können im Kleinen anfangen, Verbindungsmomente zu schaffen, an denen andere andocken können. Wir können uns so friedlich wie möglich in unserem Umfeld bewegen, mutig unsere eigene Freundlichkeit in die Welt tragen und ein liebevolleres Miteinander ernten.

Lasst uns zusammen für viel mehr good news sorgen! Gerne mit den großen Visionen und Projekten, unbedingt aber auch mit den kleinen, leisen Gesten und Worten.

Und mal ganz egoistisch … Wenn der Tag schon schwer startet, kann ich zumindest dafür sorgen, dass er mit mehr Leichtigkeit endet.

 

Mehr zu Franziska Iwanow, systemische Beraterin:

https://www.podcast.de/podcast/828952/mutmachgespraeche

https://franziska-iwanow.com/

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

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2 Antworten

  1. Was tun, wenn es einem nicht so gut geht?

    Ganz wunderbarer Artikel, der mir gut tut und wieder eine hilfreiche Erinnerung an bewussteres Wahrnehmen der vielen kleinen positiven Momente und „Augenblicke“ ist, die wir erhalten und auch an die, die wir verschenken können!
    Danke!🙏

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