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Mit „Rengschburger Herzen“ hat Arno Birkenfelder dem „Helfen“ ein neues Gesicht gegeben. Er bringt Reich und Arm zusammen und öffnet Herzen.

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von Isolde Hilt

„Hallo, ich bin der Arno, ein Autodandler (Autohändler) mit Kfz-Werkstätte …“ So stellt sich der große, markante Mann in Latzhose gerne vor, wenn er einem zum ersten Mal begegnet. Und nachdem sein Herz noch mehr für Menschen als für Autos schlägt – für Leute, die „nicht so auf der Sonnenseite des Lebens stehen“ – erfährt man sehr schnell, was er sonst noch macht: helfen, wenn es jemandem nicht gut geht, ohne „wenn“ und „aber“. Arno Birkenfelder hat im Helfen einen Reichtum für sich entdeckt, den er um alles Geld in der Welt nicht eintauschen wollte.

Auf seinem Gelände ist er unumstritten der Boss und in seinem Element. Männer können nicht Multitasking? Dann ist Arno eine Ausnahme. Er steht mitten auf dem Platz, wendet sich hierin, dorthin, führt mehrere Transaktionen gleichzeitig durch: „Ja, das Auto hat ja noch eine Delle!! Und da soll ich dir 3.500 geben? Ich geb’ dir 3.200, das ist ein guter Preis.“ „Dein Auto kannst am Nachmittag holen, da ist es fertig.“ Ein kleinerer Lkw fährt auf den Hof, beladen mit Produkten aus Kartoffelteig – Spenden für Menschen, die Essen in diesen Corona-Tagen gut gebrauchen können: „Ladet das doch schon mal aus.“ Der Satz geht an Leute, die da sind, um ihn in seinem guten Werk zu unterstützen. Arno Birkenfelder verbreitet eine Stimmung, von der man gerne etwas abhaben möchte. In seiner Gegenwart Teil einer solchen Hilfsaktion zu sein, fühlt sich gut an. Das verraten all die Gesichter, die ihn anstrahlen. Später wird der gebürtige Regensburger sein Netzwerk mit Streetworkern, Hilfsorganisationen und Unterkünften für obdachlose Menschen aufsuchen und die Lebensmittel verteilen. Er weiß, wo was gebraucht wird.

 

Es begann mit einem Weihnachtsfest …

Viele haben eine Idee und reden darüber, Arno macht. Es war Dezember 2018, der Mann mit dem großen Herzen dachte an all die nicht so gut gestellten Menschen in der Stadt und wollte ihnen zu Weihnachten eine Freude bereiten. Winni Freisleben, Pächter des Restaurants Leerer Beutel, fand es großartig, dass da einmal jemand ist, der nicht nur Gedanken vor sich herträgt, sondern auch umsetzt. Innerhalb von zehn Tagen hatten die beiden ein Weihnachtsfest der besonderen Art auf die Füße gestellt. Mit einem feinen mehrgängigen Menü, einem bewegenden Kulturprogramm und einem Geschenk für jede*n.

Arno Birkenfelder erinnert sich noch gut, wie er all die Stationen abklapperte, wo er Gäste für sein Fest vermutete. „Die haben mich natürlich erst einmal verdutzt angeschaut … Ich habe sie gefragt: ‚Wollt’s kommen? Ihr werdet von uns sternemäßig bekocht und gut unterhalten. Ich habe Künstler an der Hand, die da auch kommen und uns unterstützen …“ Das waren Menschen ohne Zuhause, junge alleinerziehende Mütter, arme Familien, alte Menschen in Seniorenheimen ohne Angehörige, auf die kaum jemand achtet. Das Gesehen und in den Blick genommen werden, das für jede*n von uns wichtig ist, war das größte Geschenk für ca. 200 Leute.

 

„Helfen, weil es mir viel bedeutet …“

Helfen bedeute ihm sehr viel, weil er festgestellt habe, dass die Gesellschaft über bestimmte Menschen hinwegschaue, weil diese zum Beispiel nicht so gut gekleidet seien und dann auch nicht diese Ausstrahlung hätten. „Doch was soll jemand, der so verarmt ist und auf der Straße lebt, denn ausstrahlen? Das Leid, das ich da sehe, das ist das, was ich aufnehme.“

Monika, das große Glück an seiner Seite, hält dem Regensburger Urgestein in vielem den Rücken frei und sagt einfach bloß: „Du bist der Wahnsinn …“ Arno hat immer Kleingeld dabei, wenn er unterwegs ist. Wenn er dann schon alles hergegeben hat und wieder auf jemanden trifft, dem ein paar Euro gut täten, sagt er zu seiner Frau bloß: „Geh zu, tu mal den Geldbeutel raus.“ Und er gesteht gleichzeitig, dass er ein bisschen abergläubisch sei: „Wenn du etwas Gutes tust und die anderen Leute mitkommen lässt, dann kriegst du es retour.“

 

„Weilst a Herz hast wie a Bergwerk …“

Reinhard Fendrich hat bei seiner Ballade zwar an jemand anderen gedacht, würde er aber den „Autodandler“ mit dem großen Herzen aus Regensburg kennen, müsste er zugeben: Auf den passt die auch. Wie wird man wie der Arno? Er selbst zuckt mit den Achseln, denkt kurz darüber nach. Er ist in einer sehr gemischten Siedlung aufgewachsen, die man in anderen Stadtteilen früher als Glasscherbenviertel bezeichnete. Da gab es die gut situierten, aber auch viele verarmte Leute, kinderreiche Familien und eine Unterkunft für obdachlose Menschen. „Dieses Obdachlosenheim war bei uns mit integriert. Die Leute waren einfach nett, auch zu uns Kindern und haben niemandem etwas getan. Und die sind auch von allen unterstützt worden, von den Geschäftsleuten, aber auch von den Ärmsten … Das gibt es heute nicht mehr.“ Dieser Zusammenhalt – der habe ihn geprägt.

Wenn man mit so vielen unterschiedlichen Menschen aufwächst, lernt man zugleich, anders auf die Leute zu schauen. Arno Birkenfelder kann von sich behaupten, eine ausgezeichnete Menschenkenntnis zu haben. Sein Vater habe den Weitblick gehabt und sofort gesehen, ob jemand etwas tauge oder nicht. „Das habe ich von ihm.“ Sein Geschäft und die vielen unterschiedlichen Kunden sind ein weiteres gutes Trainingsfeld. Arno sieht sofort, ob in jemandem nicht noch die andere Seite herauszuholen ist. „Manchmal sagt meine Monika: ‚Du wirst doch jetzt nicht dem ein Auto verkaufen …?‘ Und dann sag ich: ‚Monika, das wird der Bravste und Netteste und vielleicht wird er sogar unser Freund. Und mittlerweile habe ich sehr viele solcher Freunde, weil ich die umgepolt habe.“

 

Helfen geht noch besser mit den Rengschburger Herzen

„Regensburger Herzen“ könnte der im Mai 2019 gegründete Verein nie heißen. Das würde ein bisschen mager wirken. „Rengschburger …“, das klingt schon gleich ganz anders, nach einem großen, kraftvoll pulsierenden Herz, das für alle schlägt, die Hilfe brauchen.

Wie kommt Arno Birkenfelder an Spenden? Wie bringt er Arm und Reich zusammen? Er wisse es nicht, er mache es einfach. „Ich bemesse nicht. Ich messe nicht, was jemand hat oder ist. Das habe ich früher einmal gemacht, weil ich dazugehören wollte.“ Jetzt nehme er die Leute, wie sie sind. Und er selbst verstelle sich nicht, tue nicht lange rum und das merke man auch. „Ich bin ein normaler Hauptschüler und schmeiße nicht mit Worten um mich … Mir wird immer bestätigt, dass das, was ich sage, von da drinnen kommt“ und klopft sich auf sein Herz.

Der Mann, der schon durch sein Outfit auffällt, glaubt selbst, dass er eine aussterbende Art ist. Bei ihm gilt der Handschlag noch etwas, ein Versprechen. „Wenn ich etwas versprochen habe, dann halte ich das. Egal, was mich das kostet, egal, was davon abhängt.“ Das, so sagt er, sei ganz, ganz wichtig. Wenn du Menschen etwas versprichst, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stünden, bedeutet Wort halten viel mehr als alles andere auf dieser Welt: „Weil du genau da für jemanden einstehst, den alle anderen haben fallen lassen, der von niemandem respektiert und geachtet wird.“

 

Helfen, weil du etwas begriffen hast im Leben

Oft muss einem das Schicksal einen gewaltigen Stoß geben, damit man die Augen aufmacht und feststellt, Qualität im Leben sieht anders aus. Er sei früher schon ein rechtes Fankerl (jemand, der es faustdick hinter den Ohren hat) gewesen. 1998 wurde Arno Birkenfelder dann aber aus der Bahn geworfen. Einem engen Freund verdanke er, dass er positiv in eine andere Richtung geschossen worden sei. „Da habe ich gemerkt, dass ich auch einen anderen Platz im Leben einnehmen kann. Seitdem ist das Herz bei mir immer größer geworden.“

Was wünscht er sich für diese Welt, für unsere Gesellschaft? Dass sich die Solidarität, die durch die Corona-Krise entstanden sei, erhalten lässt. Diese Krise, meint Arno, brauche kein Mensch. Wenn aber mehr Leute ein bisschen mehr so wie er denken könnten, nur ein bisschen, das wäre doch etwas. Und ein Beispiel hat er auch schon gleich parat: Einfach einmal jemanden fragen, ob man ihm helfen könne. Ein nettes Wort, das Gespräch mit einem suchen, der vielleicht nicht so toll angezogen sei wie man selber. Oder diesem Menschen einen Fünfer zustecken, das tue nämlich nicht weh. „Und wenn es jemand dicker hat, darf es auch mehr sein. Der könnte dann doch Folgendes tun: jemanden zu seinem Auserwählten des Monats machen und ihm einen Zwanziger, einen Fünfziger oder vielleicht sogar einen Hunderter geben. Wenn das ein paar tausend Leute machen, da haben wir doch schon etwas erreicht. Das wäre ein Projekt, dazu würde ich gerne anstacheln.“

Ihr möchtet auch helfen? Jeder Euro geht eins zu eins an Menschen in Not. Hier ist das Spendenkonto für die Rengschburger Herzen:

Rengschburger Herzen e. V.
Raiffeisenbank Regensburg-Wenzenbach
IBAN: DE74 7506 0150 0000 4011 88
BIC: GENODEF1R02

Weitere Infos unter:

https://rengschburgerherzen.de/

https://www.facebook.com/rengschburgerherzen/

 

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