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von Isolde Hilt

 

Schon als Vierjährige wollte Jane Goodall wissen, wie das ist mit der Henne und dem Ei. Beim Besuch auf einer Farm harrte sie stundenlang im Hühnerstall aus, um dem Rätsel selbst auf die Spur zu kommen. Mit etwa zehn Jahren beschloss sie, wenn sie groß ist, nach Afrika zu gehen, um Tiere zu beobachten. Dass aus ihr einmal die berühmteste Primatenforscherin, eine wegweisende Wissenschaftlerin, 30 Jahre später eine der bekanntesten Umweltaktivistinnen und UN-Friedensbotschafterin werden sollte, ließ sich zu dieser Zeit noch nicht absehen. Die größte Hoffnung setzt sie in junge Menschen, „um unsere Heimat – die Erde – zu retten“.

 

Reasons for Hope: Ein Abend mit Jane Goodall

„Sie ist weise, unbeugsam, unangepasst. Sie ist nie einfach, aber immer inspirierend. Jane ist die coolste Freundin, die ich habe. I love her!“ Mit diesen Worten begrüßt Dirk Steffens, bekannter Medienmann und seit 2011 Jane Goodalls Ehrenbotschafter in Deutschland, die berühmte Engländerin. Als Jane Goodall den Saal betritt und ihr Publikum in der Sprache der Schimpansen begrüßt, erobert sie auf Anhieb knapp 1.700 Gäste, die ihr stehend und mit lang anhaltendem Applaus für ihr Lebenswerk danken.

Das Jane Goodall Institut-Deutschland hat der einzigartigen Primatenforscherin zu Ehren ihres 85. Geburtstags einen Abend im Showpalast in der Nähe von München ausgerichtet. Der Titel der Veranstaltung: „Reasons for Hope“. Die Gründe für Hoffnung werden von Tag zu Tag wichtiger für all die Menschen, die erkannt haben, wie es um den blauen Planeten bestellt ist. Dr. Eckhart von Hirschhausen, der nicht persönlich anwesend sein kann, dankt Jane in einer Videobotschaft für ihr gutes Werk sowie ihren Humor und ihre Empathie, mit der sie ihre Mission so nachdrücklich verfolgt: „Unsere Mutter Erde hat hohes Fieber. Wir sind dabei, die Erde zu zerstören. Warum ist es so schwer zu begreifen, dass dieser Planet unser Zuhause ist?“, fragt der bekannte Mediziner, Comedian und einer der Erstunterzeichner bei Scientists for Future.

 

Ein Programm, das von Herzen kommt

Wer auch immer an diesem Abend für Jane auftritt, sie alle geben ihr Bestes. Musik-Juwelen wie Stephanie Lottermoser, Saxophonistin und Komponistin, Yojo Christen, Pianist und Komponist, sowie Ingo Pohlmann, Sänger und Songwriter, eint die Begeisterung für diese außergewöhnliche Frau und ihren Einsatz für den Planeten Erde. Die Musik, die sich in Jane Goodall am tiefsten eingeprägt hat, ist die des Dschungels. „Die Tiere, die Vögel, all das ist Musik.“ Dieses Naturkonzert über 30 Jahre Forschungsarbeit hinweg gibt ihr heute noch, im hohen Alter, die Kraft für ihr Engagement: „Meine wichtigste Mission ist, den Menschen Hoffnung zu geben.“ Dafür ist sie 300 Tage im Jahr unterwegs, nie länger als drei Wochen an einem Ort, um keinen Moment ungenutzt zu lassen.

„Warum ausgerechnet ich?“

Selbst heute noch nach 85 Jahren fragt sich Jane Goodall, warum ausgerechnet ihr diese Funktion und Aufgabe zugefallen ist: weltweit darauf aufmerksam zu machen, dass wir für alle Lebewesen Respekt und Mitgefühl herstellen müssen. Dass wir ein Verständnis für alle Kulturen und Glaubensrichtungen brauchen. Dass wir unser Zuhause – die Erde – nur bewahren können, wenn wir begreifen, dass Mensch, Tier und Umwelt gleichwertig sind und eines ohne das andere nicht sein kann. Klar, ruhig, unmissverständlich zeigt Jane Goodall nicht nur an dem Abend in München auf, wie es um unsere Existenz steht. Zweifel, ob es denn wirklich so schlimm ist, lassen sich nicht zerstreuen.

Sie berichtet von einer Exkursion 2009 nach Grönland. 30 Jahre zuvor hatte das Eis dort dem Sommer noch standgehalten, nun schmilzt es unglaublich schnell. Mächtige Eismassive brechen einfach weg. Die Wissenschaftlerin hat auf ihren Reisen rund um den Globus unzählige Beispiele von lebensbedrohlichen Veränderungen festgehalten. Längst ist aus der Frau, die einst als Primatenforscherin begann, eine Kämpferin für alles Leben auf der Erde geworden. Sorgen sich ihr nahe stehende Menschen um sie, wie lange sie das noch durchstehen könne, gibt sie nicht auf: „Ich muss noch mehr Menschen zusammenbringen, sie informieren, ihnen die Dringlichkeit nahebringen.“

 

Der Lebensweg von Jane Goodall zeichnet sich früh ab

Wenn es für uns Menschen so etwas wie eine Bestimmung gibt, lässt sie sich an Jane Goodall schon früh erkennen. Zu ihrer Lieblingslektüre in der Kindheit gehört Tarzan, der sich doch besser für sie als Jane hätte entscheiden sollen, wie sie augenzwinkernd anmerkt. Die Geschichten über den Held des Dschungels sind an ihrem Wunsch, nach Afrika zu gehen, nicht ganz unschuldig. Das junge Mädchen hat den damals gängigen Vorurteilen zu widerstehen: „Du bist doch nur ein Mädchen. Mädchen machen so etwas nicht, sie eignen sich nicht für die Wissenschaft. Afrika ist viel zu weit weg. Und woher willst du überhaupt das Geld nehmen? …“ Ihre Mutter jedoch, die sie immer wieder mit Büchern über Tiere versorgt, glaubt an sie: „Wenn du es wirklich willst, schaffst du es, selbst wenn es nicht einfach wird.“ Sie begleitet sie auch auf ihrer ersten Reise nach Afrika.

Jane Goodall im Showpalast am 21. Juli 2019

Hartnäckigkeit, Geduld, Dranbleiben, dieses Wissen-Wollen sind die Qualitäten, die Jane Goodall zur berühmesten Primatenforscherin werden lassen. Sie geht ihren eigenen Weg, gibt – anders als ihre männlichen Kollegen – Schimpansen Namen statt Nummern. Lernt ihre Sprache, verhält sich wie sie, um ihnen nahe zu kommen. „Schimpansen sind wie wir. Sie haben unterschiedliche Charaktere und fühlen genauso wie wir. Sie sind auch gewalttätig.“ In ihrer Doktorarbeit über das Familien- und Sozialverhalten der Schimpansen widerlegt sie als Erste, dass nur Menschen Werkzeuge herstellen und nutzen könnten oder Schimpansen Vegetarier seien.

 

Eine Konferenz verändert das Leben der Wissenschaftlerin nachhaltig

1986 findet in Chicago ein Kongress für Biologen statt, die das Leben von Primaten in Afrika erforschen. „In den vier Tagen dieser Konferenz wurde ich ein anderer Mensch.“ Die dort vorgestellten Forschungsergebnisse erschüttern die Wissenschaftlerin. Kollegen berichten von zerstörten Lebensräumen, Schimpansen in Gefangenschaft, als Versuchstiere unter unerträglichen Bedingungen, verarbeitet zu Nahrung. Eigentlich hatte Jane Goodall wieder nach Gombe in Tansania zurückkehren wollen, beschließt jedoch, ihre Forschungsarbeiten einzustellen und sich für Tier- und Umweltschutz stark zu machen. „Was für ein Glück, dass ich den Frieden der Wälder in meinem Herzen trage“ – ein Empfinden, das sie nach all den Jahren noch im hohen Alter diese kräftezehrende Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit tun lässt.

„Da ist noch ein Fenster, wenn wir uns zusammentun.“

Warum zerstören die Menschen – trotz ihrer Intelligenz – ihre Lebensgrundlagen? „Wir haben wohl das, was man Weisheit nennt, verloren“, meint Jane Goodall. Die Ureinwohner*innen Amerikas etwa hätten sich immer gefragt, wie sich ihre Entscheidungen auf die nächste Generation ihres Volkes auswirken würden. Wir überlegten nur, welche Konsequenzen das für uns selbst hat.

Trotzdem sieht die Kämpferin für eine bessere Welt eine reelle Chance. „Ein kleines Zeitfenster bleibt uns noch, aber wir müssen jetzt ins Tun kommen.“ Sie nennt fünf Gründe, die sie hoffen lassen: „Setzen wir unser Denkvermögen für die richtigen Dinge ein. Nutzen wir regenerative Energien und keine fossilen.“ Niemals aufgeben, es gibt immer einen Weg vorwärts. Es kommt auf jede und jeden Einzelnen von uns an – jeden Tag. Alle Social Media-Kanäle nutzen, um gehört zu werden und aufmerksam zu machen. Am meisten setzt Jane Goodall auf die Resilienz der Natur sowie auf die junge Generation: „Die jungen Leute fangen an zu verstehen. Wir müssen ihnen zuhören und sie in ihrem Einsatz für eine bessere Welt unterstützen. Sie sind unsere größte Hoffnung.“

 

„Roots and Shoots“, die Aktion von Jane Goodall für Kinder und Jugendliche

1991 gründet Jane Goodall mit einigen Schüler*innen in Tansania die Aktion „Roots and Shoots“ (wörtlich „Wurzeln und Sprösslinge“). „Wir müssen die jungen Menschen erreichen und aufklären, wenn sich etwas ändern soll.“ Heute gibt es weltweit mehr als 10.000 Gruppen in über 100 Ländern, die sich mit kleinen und großen Projekten für eine bessere Welt engagieren. „Worauf es ankommt, ist, Respekt und Mitgefühl für alle Lebewesen – Mensch wie Tier – herzustellen, ein Verständnis für alle Kulturen und Glaubensrichtungen zu schaffen und eine Inspiration für die zu sein, die eine bessere Welt für Mensch, Tier und Umwelt aktiv mitgestalten möchten.“

Wo immer die Forscherin ein Problem erkennt, denkt sie augenblicklich über eine Lösung nach. So entstand 1994 das Projekt „Tacare“ (Lake Tanganyika Catchment Reforestation and Education), um das Gebiet um den Gombe-Nationalpark wieder aufzuforsten und die Lebensbedingungen der Menschen dort zu verbessern. Insbesondere Frauen erhalten Mikrokredite unter der Bedingung, dass die Projekte umweltverträglich sind.

Am Freitag Abend erinnert Jane Goodall zum Abschied noch einmal daran, wer wir sind: „Wir sind alle Menschen und miteinander verbunden. Das Blut, die Tränen, die Liebe – all das ist gleich, weltweit.“

 

Weitere Informationen:

https://janegoodall.de

Spendenkonto:

https://janegoodall.de/aktiv-werden/#spenden

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

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