von Florian Roithmeier
Keine Freunde treffen, Distanzunterricht, der mehr oder weniger gut klappt … Die Pandemie hat Kinder und Jugendliche besonders schwer getroffen. Umso wichtiger ist es, dass sie jemanden haben, dem sie ihr Herz ausschütten und sich öffnen können. Aber wem, außer Eltern oder anderen Vertrauenspersonen?
„krisenchat.de. Der Krisenchat“ ist ein bundesweites, ehrenamtliches und kostenloses Hilfsangebot für Kinder und junge Erwachsene bis 25 Jahren in Not. Sozusagen eine „Nummer gegen Kummer“ über WhatsApp. Jeden Tag, 24 Stunden lang, ist das Team erreichbar und verspricht schnelle, professionelle und empathische Antworten auf die Krisen-Nachrichten.
Kai Lanz hat diesen Krisenchat 2020 mit fünf Kolleg*innen gegründet. Im Gespräch mit good news for you erklärt wer, wie es dazu kam: „Die Idee für den Krisenchat entstand durch die Umstände der Corona-Pandemie. Der Krisenchat kann Kindern und Jugendlichen im Umgang mit dem Gefühl der Isoliertheit und Einsamkeit helfen. Aber auch bei anderen Problemen wie Liebeskummer, häuslicher Gewalt oder Alkohol- und Drogenkonsum können sich Kinder und Jugendliche an uns wenden. Das ist kein Projekt, das mit Corona enden wird.“
Wie erreicht man den Krisenchat?
Unter der WhatsApp-Nummer +49 1573 5998143 oder hier klicken. Eine Anmeldung oder Registrierung ist nicht erforderlich. Auf Wunsch können die Kinder und Jugendlichen anonym bleiben. Man kann so lange mit den Helfer*innen chatten, wie man will, zwischendurch einfach aufhören und das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen.
Die Plattform WhatsApp hat das Team des Krisenchats bewusst gewählt. „WhatsApp ist das Nummer-1-Kommunikationstool für Kinder und Jugendliche – weit vor dem Telefonieren oder anderen Online-Diensten. Es ist für die Zielgruppe eine gewohnte Umgebung, die sie jeden Tag nutzen. WhatsApp und unsere Verbindung zu WhatsApp ist DSGVO-konform und streng verschlüsselt. Durch die Ende-zu-Ende Verschlüsselung werden die Daten nur auf ISO-27001-zertifizierten Servern und den persönlichen Geräten des Gegenübers gespeichert. Unsere Server liegen in Frankfurt. Die Daten sind zu jeder Zeit verschlüsselt – sowohl während der Übertragung, als auch auf unseren Servern. Das Medium ist somit deutlich sicherer als Dienste wie E-Mail“, so Lanz.
Das Besondere am Krisenchat ist, dass nach eigenen Angaben rund die Hälfte der insgesamt bislang über 500.000 Nachrichten zwischen 20 und 2 Uhr nachts geschrieben werden – ein Zeitraum, in dem bundesweit kein anderes Chatangebot zur Verfügung stehe.
Wer chattet da mit den Kindern und Jugendlichen?
Die meisten Krisenberater*innen sind speziell geschulte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen, Psychotherapeut*innen, Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen und -arbeiter*innen.
Wer sich beim Krisenchat als Berater*in engagieren will, muss mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:
– abgeschlossenes Masterstudium Psychologie oder Masterstudent*in mit Zusatzqualifikation oder intensiver Beratungserfahrung (keine Pflichtpraktika)
– Psychotherapeut*innen in Ausbildung oder abgeschlossen in den anerkannten Verfahren (VT, PT, PA, Sys. Psychotherapie)
– abgeschlossenes Studium der Sozialpädagogik oder Sozialen Arbeit
– Ärzt*innen (nur mit Zusatzqualifikation Psychotherapie)
Ein internes psychologisches Leitungsteam entscheidet, wann die Krisenberater*innen nach verpflichtenden Mentoring- und Workshop-Teilnahmen selbstständig als Krisenberater*in tätig sein dürfen. Es gibt regelmäßig Supervisionen und stichprobenartige Kontrollen der Chats, um die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten.
Voraussetzung für die Mitarbeit ist, dass man einen PC oder Laptop hat und bereit ist, zweimal im Monat eine Zwei-Stunden-Schicht am Chat zu übernehmen.
So kannst du die Arbeit des Krisenchats unterstützen
Interesse, selbst mitzuhelfen? Das Team von Krisenchat besteht derzeit aus 25 Festangestellten und rund 300 ehrenamtlichen Krisenberater*innen, sucht aber laufend nach weiteren Helfer*innen. Hier kannst du dich als Krisenberater*in anbieten, hier für eine Mitarbeit im nicht-psychologischen Bereich und hier für ein Praktikum.
Wie du spenden kannst und wofür die Spenden verwendet werden, kannst du hier nachlesen. Auch Unternehmen werden stets als langfristige Partner*innen gesucht.
Mehr zum Krisenchat findest du auf dieser Homepage, Twitter, Instagram und TikTok.
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2 Antworten
Ich will das so nicht stehen lassen. Habe mich vor kurzem an die Plattform gewendet und versucht, mit denen zu schreiben. Nach längerem warten, wo ich fast eingeschlafen wäre, schrieb mir eine Frau, dass sie zwar versteht, wie ich mich fühle, aber mein Problem keine „Krise“ ist und ich mich morgen an Nummer gegen Kummer oder bke-Beratung wenden soll. Was bringt sowas, wenn ich einfach nur abgelehnt werde?
Die sollten klar sagen, wenn man ihnen nur schreiben soll wenn man gleich stirbt oder so
Liebe Sarah, das tut uns leid. Die beiden anderen Adressen, die dir genannt worden sind, sind auf jeden Fall seriöse Anlaufstellen mit langjähriger Erfahrung. Eine weitere Möglichkeit wäre noch, sich an eine Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern zu wenden (je nach Region heißen sie manchmal auch Erziehungsberatungsstellen), die alle auch Jugendliche und junge Erwachsene (ohne Eltern, wenn man das möchte) kompetent beraten.
Wir wünschen dir von Herzen alles Gute!
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