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Sadaka:
Eine freiwillige, aus dem Herzen kommende Spende

Sarah, Mitglied der Jugendgruppe des Islamischen Zentrums Regensburg, erzählt, wie der Glaube motiviert, Gutes zu tun. Zum Beispiel für obdachlose Menschen.

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von Gastautorin Claudia Eisenrieder

50 warme Suppen für obdachlose Menschen in ihrer Stadt: Das ist das Ergebnis einer Aktion von Jugendlichen des Islamischen Zentrums Regensburg (IZR). Motiviert hat sie folgendes Zitat: „A man is not a believer who fills his stomach while his neighbour is hungry.“ („Ein Mensch ist nicht gläubig, der sich den Bauch vollschlägt, während sein Nachbar hungert.“) Sarah, 26 Jahre alt, ist Mitglied dieser Jugendgruppe, hat Erziehungswissenschaft studiert und arbeitet in einem Kinderheim. Sie will in ihrer Stadt etwas bewegen. Claudia Eisenrieder hat mit der jungen Frau über ihre Motive gesprochen.

 

Sarah, wie würdest du dich beschreiben?

Ich würde sagen, ich bin vor allem zielstrebig und stur, aber auch sehr offen, ehrlich und empathisch.

Welche Eigenschaft motiviert dich besonders für dein soziales Engagement?

Ganz klar die Zielstrebigkeit, verbunden mit Empathie. Ich finde, dass sich vor allem im sozialen Bereich beide gut ergänzen. Das erlebe ich täglich in meiner Arbeit und genauso bei meinem sozialen Engagement in der Jugendgruppe des IZR. Ohne Empathie verspürt man nicht den Drang, anderen zu helfen. Und ohne Zielstrebigkeit kommt man nicht darauf, dass auf Worte Taten folgen müssen.

Zu deiner Jugendgruppe: Wer seid ihr und was macht Ihr?

Wir sind muslimische Jugendliche und junge Erwachsene mit verschiedenen Nationalitäten, wenn man unseren Pässen Beachtung schenken möchte. Bei unseren Treffen sprechen wir Deutsch. Einige von uns sind schon in Deutschland geboren. Wir sind alle hier zur Schule gegangen, ackern zum Teil schon an unserem Studium oder haben es bereits absolviert.

Seit einigen Jahren sind wir als junge Gemeinde ziemlich aktiv. Bei Veranstaltungen wie der Kindernacht der Moschee oder dem Tag der offenen Tür unserer Moschee sind wir aktiv. Aber auch bei Fußballturnieren, Kinoabenden oder am Lagerfeuer sind wir zu finden.

Wir haben nun einen eigenen Jugendraum im IZR bekommen, den wir gerade renovieren. Das ist toll, denn so können wir eigenständig unser Programm planen. Aktuell denken wir über verschiedene Workshops, Sportaktivitäten, eine Leseecke und sogar über ein Nachhilfeangebot nach. Außerdem wollten wir uns in die Gesellschaft einbringen.

Wie?

Bei einigen Sitzungen haben wir Ideen gesammelt. Alain, ein Medizininformatik-Student, hat die Obdachlosenhilfe vorgeschlagen. Seine Idee wurde für sehr gut befunden und schnell in die Tat umgesetzt. Wir einigten uns auf eine warme türkische Linsensuppe. Sie sollte Menschen ohne Unterkunft Wärme spenden und sie zumindest für den Abend sättigen. Gesagt, getan! Jetzt haben wir vor, ähnliche Projekte öfter zu machen und sie quasi zur Tradition werden zu lassen.

Im Islam geht es viel um Nächstenliebe und Armenhilfe. Darum, dass man sich in einer Gesellschaft gegenseitig hilft.

In Regensburg leben offiziell rund 200 Menschen ohne reguläre Wohnung. Ihr habt 50 Suppen für obdachlose Menschen gekocht. Was hat diese Form der Armenküche mit deinem Glauben zu tun?

Hätten wir gewusst, dass es 200 sind, hätten wir natürlich mehr gemacht (lacht). Aber fürs Erste fand ich es trotzdem gelungen. Im Islam geht es viel um Nächstenliebe und Armenhilfe. Darum, dass man sich in einer Gesellschaft gegenseitig hilft. Dabei spielt der Glaube des Gegenübers keine Rolle. Keinem wird Hilfe verwehrt. Einer Nonne haben wir ebenfalls eine Suppe angeboten. Daraufhin kam ein sehr interessantes Gespräch zustande, das fand ich echt schön.

Im Islam zählt die „Armenküche“ als Sadaka. Das ist eine freiwillige, aus dem Herzen kommende und würdig gereichte Spendengabe, die aber nicht verpflichtend ist. Übersetzt wird das arabische Wort aber eher in „aufrecht sein“ oder „wahrhaftig sein“. Die Sadaka sollte also nicht mit weltlich-egoistischen Absichten verbunden sein. Dabei ist es egal, ob es eine Geld-, Sach- oder Nahrungsmittelspende ist. Hauptsache, man mindert in würdiger Weise das Leid der anderen, so gut man kann und hofft dabei auf Gottes Wohlwollen.

Sarah, du bist eine junge Frau, die den Schleier trägt. Wie haben die Menschen auf dich reagiert, als du ihnen Suppe angeboten hast?  

Die meisten haben die Suppe sehr dankbar angenommen und wir konnten noch mit ihnen reden. Ein paar haben uns ihre Geschichte erzählt. Zwei oder drei waren skeptisch und haben sich nur etwas zu trinken geholt. Zu mir waren sie nicht anders als sonst. Aber es ist ja allgemein bekannt, dass Menschen unterschiedlich sind. Die meisten waren definitiv dankbar, warmes Essen zu bekommen. Einigen freuten sich auch über eine zweite Suppe, die sie später essen wollten.

Was kann eine religiös motivierte Jugendarbeit dem Individuum und der Gesellschaft geben und zeigen?

Als Pädagogin kann ich sagen, dass Jugendarbeit im Allgemeinen eine gesunde und ausbalancierte Entwicklung der Persönlichkeit fördert. Eine religiös motivierte Jugendarbeit fördert dazu das richtige Verständnis der Religion. Man hat gleich einen Ansprechpartner und spekuliert nicht über Internetantworten.

Der Islam ist für uns ein Lifestyle –eine Art zu leben. Das fängt an bei der Nächstenliebe, einem zuvorkommenden Verhalten und dem Helfen. Im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung geht es darum, ambitioniert und produktiv zu sein und das eigene Potenzial auszuschöpfen. Jedes Mitglied der Gruppe versucht sein Bestes, nach den Maximen des Islams zu leben. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir bald mehr in der Gesellschaft erreichen können. Indem wir anderen helfen, Vorurteile Schritt für Schritt abzuschaffen, können wir ganz nebenbei den Menschen der Stadt Regensburg zeigen, wie wir Regensburger Muslime wirklich sind.

 

Wir sind uns alle einig, dass wir uns über mehr Offenheit freuen würden. 

Was wünscht du dir von Menschen, die dir bzw. deinen muslimischen Freund*innen begegnen?

Wir sind uns alle einig, dass wir uns über mehr Offenheit freuen würden. Nach meinem persönlichen Empfinden ist es besser als vor einigen Jahren, aber da könnte sich noch viel mehr tun. Es wäre auch schön, wenn bedeckte Frauen in allen Arbeitsbereichen angenommen würden. Ihre Bewerbungen sollten nicht an Vorurteilen scheitern.

Allgemein sollte an den Vorurteilen gearbeitet werden, auch muslimischen Männern gegenüber. Und es könnten uns ruhig mehr Leute bei unseren Veranstaltungen besuchen. Gegen spontane Besucher*innen haben wir auch nichts. Ich gehe ja schließlich auch mal so in eine Kirche rein, um mir diese aus Interesse anzuschauen.

 

Weiterführende Infos: https://www.regensburg.de/regensburg-507/nah-dran/hilfe-fuer-obdach-und-wohnungslose

Instagram: Islamisches Zentrum Regensburg – IZR | Ar-Rahman Moschee (@islamischeszentrum_regensburg) • Instagram-Fotos und -Videos

 

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